Ein weißes Tesla Model Y steht teilweise in einer Kfz-Prüfstelle unter einem roten Schild.

Eigentlich wollte ich nie einen Tesla. Doch als wir Ende 2021 dringend ein neues Auto brauchten, befand sich die gesamte Automobilbranche in der Chipkrise, und Tesla war der einzige Hersteller mit (beworbenen) kurzen Lieferzeiten. Aus drei angekündigten Monaten wurden zwar sieben, aber das war immer noch schneller als die mehr als 18 Monate aller anderen Marken damals.

Rückblickend gab es in den letzten 3 Jahren kaum etwas, das mich an dieser Entscheidung zweifeln ließ. Genaugenommen fahre ich seit 3 Jahren absolut ohne jeden Mangel durch die Welt. Und wenn die merkwürdigen Marotten des Hauptanteilseigners nicht wären, würde ich mich vermutlich heute sogar viel stärker als Fan der Marke outen.

Fast forward, heute war ich mit Marvin, wie ich das weiße Ungetüm liebevoll nenne, beim TÜV. Denn, wie mir beim Reifenwechsel letzte Woche mitgeteilt wurde, war dieser schon seit einem Monat abgelaufen. Ich hatte mich mental auf Schimpftiraden über Elektromobile im Allgemeinen und Tesla im Besonderen eingestellt, wurde aber sehr positiv überrascht. Der Herr Ingenieur war sehr freundlicher Natur und generell vieler lobender Worte über Tesla, dass man dort vieles richtig machen würde und so. Gerade in den letzten Jahren sei die Lernkurve sehr steil nach oben gegangen, und die aktuelle Generation sei wirklich top, also zumindest so lange man keines der ersten Modelle aus Grünheide fahre. Nur bei meinem 2022’er Modell, da gäbe es doch gerne mal die eine oder andere Macke. Und dann wurde ich systematisch um und unter das Auto geführt, durfte die in meinen Augen fachmännische Prüfung mit vielen Fragen begleiten, und war danach um einiges schlauer.

Marvin hat jetzt wieder TÜV und ich den Auftrag, vor Ablauf der 4-jährigen Basisfahrzeuggarantie bzw. vor Erreichen der 80.000 Kilometer sicherzustellen, dass die Querlenker der Hinterachse nochmal geprüft werden. Weil, die haben nämlich schon etwas Spiel und wenn das stärker wird, müssten die getauscht werden und das kostet dann gerne locker 1.000 Euro, pro Seite. Und wenn dieser mangelhafte Zustand noch innerhalb der Garantie erreicht sei, würde Tesla mir diese neuen Querlenker kostenfrei überlassen.

Abgesehen davon, schimpfe ich meine Frau nun nicht mehr, wenn sie auf die Bremse tritt, statt die Rekuperation zu nutzen. Das Betätigen der Bremse sei nämlich durchaus hin und wieder notwendig, damit die Bremsscheiben nicht rosten. Das wird eine echte Herausforderung für mich, nachdem ich meine Fahrweise in den letzten 3 Jahre derart optimiert habe, dass ich mit Rekuperation quasi immer punktgenau zum Stehen komme. Ich betätige die Bremse nämlich so gut wie nie. Scheinbar verfügt Tesla aber auch ein sogenanntes Brake Disc Wiping, das beim Bremsen bei nasskalten Witterungsverhältnissen kleine Bremsdruckimpulse ausführt, um eben jene Rostbildung zu verhindern. Ob genau mein Model Y diese Funktion hat, war uns beiden unklar, aber der Herr Ingenieur meinte, dass die Funktion seines Wissens über ein Software-Update nachgerüstet wurde.

Tesla bietet ja keine klassischen Inspektionen und hätte wohl eher auch wenig Interesse, solche Garantiefälle frühzeitig aufzudecken, nur um sie dann übernehmen zu müssen. Nach dieser Erfahrung kann ich Tesla-Fahrern vor Ablauf der Garantie einen Besuch bei einem kompetenten Herrn Ingenieur in der Nähe nur wärmstens ans Herz legen.