Unterschiedlich entspannt gestanden

Die letzten Tage habe ich viel gestanden. Dieses Stehen hat sich jeweils ganz unterschiedlich angefühlt.

Am Donnerstag habe ich auf dem Weg ins Büro auf der Autobahn in einer Vollsperrung gestanden. Im Auto war es kuschlig warm und ich konnte etwas länger als gedacht, Podcasts aus meiner unendlich langen Playlist hören. Ein unmittelbarer Termin, den ich zu verpassen drohte, stand auch nicht an. Dieses Stehen war entspannender, als man es sich unter dem Wort Vollsperrung normalerweise vorstellt. Und die Autobahn war, zumindest auf meiner Seite, dann doch auch recht schnell wieder freigegeben, sodass ich dann doch noch halbwegs pünktlich im Büro angekommen bin.


Samstagmittag standen wir bei -3° C auf dem Fußballplatz, um dem 14-Jährigen beim letzten Spiel vor der Winterpause auf einem leicht verschneiten Kunstrasenplatz zuzuschauen. Beim Anblick der in kurzer Hose und Trikot aufgelaufenen jugendlichen Männlichkeit kam ich mir in meiner dicken Winterjacke am Spielfeldrand stehend ordentlich verweichlicht vor. Ich kann mich nur noch schwer in mein jugendliches Ich versetzen, aber ich glaube so cool war ich nicht. Angesichts der Temperaturen, war ich auf jeden Fall dankbar, dass eine U14-Halbzeit nur 35 Minuten dauert, und der Tesla in Laufweite geparkt war, um die Pause zum Aufwärmen nutzen zu können.


Am Samstagabend war dann endlich so weit. Thylacine hat zum Konzert im Ampere in München geladen. Die Tickets hatte ich vor Wochen voller Vorfreude erstanden. Hätte ich die Tickets nicht schon in der Hosentasche gehabt, wäre ich vermutlich nicht hingegangen. Die Arbeitswoche hat mir in den Knochen gesteckt und mir war eher nach einem Abend auf der Couch. Nach dem Konzert war ich umso glücklicher, dass wir uns aufgerafft haben. Jede einzelne Sekunde war pures Endorphin. Ich hatte das gesamte Konzert über ein breites Grinsen im Gesicht. Das war diese Woche auf jeden Fall das mit Abstand beste Stehen Tanzen. Ich habe mir sogar meine seit Tagen verspannte Schulter entspannt getanzt.

Hörenswerte Nebengeräusche

Ich habe am Wochenende wieder ein paar Stunden gevibecoded. Der Vorteil daran, Assistenten die schmutzige Arbeit machen zu lassen, ist, dass man theoretisch Kapazitäten für andere Dinge hat. Mein Plan war, dass ich ja parallel eine Serie schauen könnte. Da die Ergüsse der KI aber alle paar Minuten geprüft und getestet werden wollen, war das nur so eine mittelprächtig gute Idee. Jedenfalls hat meine Rest-Aufmerksamkeit nicht ausgereicht, um der Storyline der Serie zu folgen.

Auf der Suche nach einem etwas weniger ablenkenden Alternativprogramm, bin ich in der ARTE-Mediathek auf den Konzertmitschnitt des französischen Musikers Thylacine gestoßen, für dessen Konzert am Samstag in München wir zufällig Karten haben. Das war sehr gut als Nebenbei-Programm und ich freue mich sehr darauf, es am Samstag mit ungeteilter Aufmerksamkeit genießen zu können.

ARTE

Beim Laden wird eine Verbindung zu ARTE hergestellt.

Direkt im Anschluss hat mir ARTE das Konzert von Moby zum Weiterhören angeboten. Moby gehört seit Ewigkeiten zu meinen absoluten Lieblingskünstlern, und dieses Konzert ist so verdammt großartig. Hab ich sehr gefeiert. Leider ist Moby am Wochenende nicht in München, jedenfalls nicht das ich wüsste.

ARTE

Beim Laden wird eine Verbindung zu ARTE hergestellt.

Der Abend verging wie im Flug und dank Unterstützung der KI sind am Ende sogar sinnvolle Sachen dabei entstanden.

Rosenkohl

Meine leider viel zu früh verstorbene Mutter war Köchin in einem Betrieb, der die Schulen in meiner Heimatstadt mit einer warmen Mittagsmahlzeit versorgt hat. Das nannte sich zu DDR-Zeiten Schulspeisung, und war eigentlich eine ziemlich gewandte Sache. Die Kinder wurden in der Schule mit einer gesunden 3-Gänge-Mahlzeit versorgt, während die Eltern in den volkseigenen Betrieben Tages-füllend lang gearbeitet haben. Dieses Konzept gehört vermutlich zu den besseren Errungenschaften der DDR, das es so meines Wissens nicht mehr gibt. Der Beruf meiner Mutter hatte für mich den enormen Vorteil, dass ich immer schon am Wochenende wusste, was es kommende Woche auf den Tellern geben wird.

Natürlich hat meine Mutter auch Zuhause gekocht. Sie hatte ein handgeschriebenes Rezeptbuch, in einem orangen Einschlag, das erstaunlicherweise fast nur Rezepte für Kuchen und andere Süßwaren beinhaltet hat. Alles andere, hat meine Mutter aus dem Kopf gekocht. Ich habe mich damals leider nicht sonderlich für das interessiert, was in der Küche abgegangen ist, erinnere mich aber, dass meine Mutter ständig mit dem Kochlöffel probiert und Prisen hiervon und davon dazugegeben hat, bis es genauso so war, das sie es guten Gewissens und voller Stolz ihrer Familie servieren konnte.

Das ist auch, wie ich heute selbst koche. Anders als meine Mutter habe ich eine Sammlung von Rezepten, die über Kuchen hinausgeht. Ehrlicherweise, habe ich sogar kaum Kuchenrezepte, da ich, wenn ich backe, sowieso nur einen von meinen zwei Lieblingskuchen backe. Da ich kein Koch bin, brauche ich die Rezepte als Gedankenstütze, um vor allem für Gerichte, die ich nur 2-3 mal pro Jahr koche, grobe Mengenangaben und Garzeiten abzurufen. Selbst mit Rezept koche ich aber am Ende eher wie meine Mutter. Also egal was im Rezept steht, ich probiere ständig und verfeinere, bis es meinen aktuellen Geschmack trifft und ich mich traue, es den kritischen Mitessern vorzusetzen. Dabei kommt dann schon ab und an etwas anderes raus, als ich anfangs vielleicht geplant hatte. Und selbst gewohnte Gerichte, schmecken manchmal halt anders, weil der Geschmack in diesem Moment vielleicht spazieren gegangen ist. Und manchmal, wenn ich etwas koche, dass es nicht so oft gibt, denke ich mir, wenn es auf dem Tisch steht auch hin und wieder, dass ich mich wohl besser ans Rezept gehalten hätte.

Heute gab es jedenfalls bei uns Rosenkohl. Den gab es damals auch bei meiner Mutter ab und an. Denn auch wenn sie mit aller Leidenschaft und Liebe für Schüler, und Zuhause für ihre eigenen Kinder gekocht hat, hin und wieder wollte sie halt etwas auf dem Tisch, worauf sie Lust hatte. Und dann gab es halt Rosenkohl, oder Königsberger Klopse (mit ganz und gar schröööööcklichen Kapern). Wenn ich an Rosenkohl damals zurückdenke, dann habe ich immer diesen Song im Kopf. Radio PSR, mit dem Sinnlos Telefon, war damals das Ding überhaupt. Ich hatte auf jeden Fall mehrere CD’s von dem Unfug. Aber ich will nicht abschweifen.

Mittlerweile finde ich Rosenkohl nicht mehr ganz so schrecklich, war aber bis jetzt auch nicht so wild danach, als dass es ihn mehr als zweimal pro Jahr gegeben hätte. Heute gab es dann auf jeden Fall das erste Mal für dieses Jahr Rosenkohl. Sonst hab ich den ja immer im Ganzen gebraten, mit Salz, Pfeffer und Balsamico-Creme abgeschmeckt und Mandelblättchen garniert serviert. Heute hatte ich Lust auf etwas anderes und habe einfach das erste Rezept, das mir Google angeboten hat, genommen. Und was soll ich sagen, dieses Rosenkohl-Rezept war der Hammer! Schöne Röstaromen, leichte Süße durch den Zucker … tolles Mundgefühl. Sogar meine Frau meinte, dass wir ruhig öfter Rosenkohl machen könnten.

Rosenkohl und ein Messer liegen auf einem Schneidebrett, während mehr Rosenkohl in einer Metallschüssel liegt, und ein Fisch ist im Hintergrund zu sehen.

Eine Auflaufform mit Resten von Saibling und eine Pfanne mit gebratenem Rosenkohl sind zu sehen.

Dazu gab es Saibling, den ich gestern frisch von der Köppelmühle geholt hatte. Ja, vielleicht nicht die gängigste Kombination, aber es hat tatsächlich ganz hervorragend geschmeckt. Und am Ende war das auch eine Zufallskombination. Nachdem meine Frau am Wochenende Dienst hat, gab es keinen vorgefertigten Essensplan. Ich war dann also am Samstagvormittag beim Einkaufen, und bin ganz spontan zur Fischerei gefahren und habe Saibling geholt, einfach weil ich Lust drauf hatte.

Der Fischerei Köppelmühle mit Informationstafeln und Wasserbecken in einer ländlichen Umgebung.

Ein traditionelles deutsches Gebäude (Fischerei Köppelmühle) mit weißen Wänden, grünen Fensterläden und einem Schornstein steht vor einem gepflasterten Hof, umgeben von Bäumen.

Danach war ich dann im Supermarkt, um noch Beilagen einzukaufen, und dort ist dann der Rosenkohl im Einkaufswagen gelandet. Na ja, was ich eigentlich sagen wollte: Es gab heute Rosenkohl mit Saibling, und es war sehr lecker.

Zu heller Stunde

Ein beleuchteter Feldweg führt zu einem einsamen Baum, während der Himmel in der Abenddämmerung rosa schimmert.

Auf dem zu spät gestarteten Spaziergang bin ich froh über das helle Licht auf meinen Hirn.

Silo, die Serie (4/5)

Ein stilisiertes Poster mit mehreren Personen und einer überlagerten Gesichtssilhouette, das für die Apple TV+ Serie Silo wirbt.

So, jetzt bin ich auch endlich mit den beiden ersten Staffeln von Silo durch. Die Roman-Trilogie von Hugh Howey hatte ich letztes Jahr schon gelesen, und für extrem gut befunden. Dementsprechend gespannt war ich auf die Serie.

Die Serie ist irgendwie anders als die Bücher. Weniger dystopisch. Das Silo wirkt fast schon wie ein lebenswerter Ort. Es ist hell und sauber, die Menschen sehen gepflegt und wohlgenährt aus. Sogar die Überlebenden in Silo 17 sehen vergleichsweise human aus. Es gibt viele Annehmlichkeiten des täglichen Lebens, die in den Romanen nicht erwähnt wurden. Die Serie ist viel lebendiger, gibt Figuren mehr Raum, ergänzt Details, die das Leben der eingesperrten Gesellschaft ausschmücken. Aber, die Serie fügt auch zahlreiche Handlungsstränge hinzu, die in den Büchern nicht vorkommen. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, führt in meinem Kopf aber neben den für mich nicht passendem generellen Ambiente, immer wieder zu Hääähhhs.

Ich versuche es positiv zu sehen: Am Ende bleibt die Serie mit ihren unerwarteten Abwandlungen der Romanvorlage spannend, und ich freue mich schon auf die für Sommer 2026 angekündigte dritte Staffel.

Friendly Reminder

Auf einem dunklen Weg stehen zahlreiche beleuchtete Laternen an St. Martin in einer Reihe.

Friendly Reminder für euren Nachhauseweg: Heute ist wieder dieser Streetmove in den Kindergärten in eurer Nähe. Das Foto ist von 2014, als wir St. Martin noch mit Tee und Würstchen vor Ort zelebriert haben.

Unsere Kellertür ist jetzt etwas hilfsbereiter

Ich habe meinen Urlaub letzte Woche genutzt, um unsere Kellertür mit einem elektronischen Türschloss auszustatten. Das Schloss lässt sich komfortabel per Fingerabdruck öffnen, unterstützt aber auch RFID-Chips und sogar AirTags können zum Entsperren genutzt werden. Funktioniert erstaunlich zuverlässig, ganz ohne irgendeine Bridge, Cloud- oder App-Zwang.

Man könnte theoretisch noch jede Menge smarter Funktionen aktivieren, wie zeitlich limitierte Zugänge für bestimmte Personen, eine zusätzliche Zwei‑Faktor-Authentifizierung oder eine automatische Entsperrung, sobald das Smartphone in der Nähe ist. Brauche ich aber alles gar nicht.

Mir ging es vor allem darum, diese Alltagssituationen zu entschärfen, in denen ich mal wieder ohne Schlüssel dastand. Etwa nach dem Einkauf, den man mal eben im Keller verstauen will. Oder beim Kochen, wenn ich in den Keller gerannt bin, um dringend Olivenöl, eine Dose passierte Tomaten oder TK-Kräuter zu holen. Und dann stand ich genervt vor verschlossener Tür, während die Pfanne gebrutzelt hat.

Und Gäste, die das Gästezimmer im Keller nutzen, bekommen jetzt einfach einen RFID-Chip in die Hand gedrückt.

Die Skepsis zu solchen Schlössern in diesem Haushalt war enorm groß, aber nach nur ein paar Tagen ist das Feedback überragend positiv und keiner will es mehr hergeben. 80 Euro und 30 Minuten investiert, alle glücklich. So einfach kann es manchmal sein.

Quitten über Quitten

Eine weiße Schale mit drei gelben Quitten steht neben einem herzförmigen Holzdekoration auf einer Fensterbank.

Offenbar ist heuer ein gutes Quittenjahr. Wir können uns vor Angeboten, welche abzunehmen, jedenfalls kaum retten. Manche machen Schnaps daraus, wir genießen sie lieber pur, als Deko und wegen ihres betörend süßen Raumdufts.

Betende Trucker

Als wir kürzlich Nachts auf der Autobahn an zahlreichen LKW vorbeigefahren sind, fragte meine Frau: Die müssen doch alle Lenkpausen einhalten. Wo schlafen die dann eigentlich?

Ich habe dann kurz angefangen über die Betten hinter den Fahrersitzen auszuholen, als sie meinte, das wisse sie schon. Aber die würden da doch nicht ernsthaft drin schlafen? Also im Notfall, klar. Aber sonst gehen die doch wohl hoffentlich bitte in Hotels?

Ich liebe es, wenn meine Frau solche Kinderfragen stellt. Wie damals, als wir im Herbst an einem gelb blühenden Feld vorbeigefahren sind und sie mich fragte, seit wann Raps im Herbst blüht. Ich habe das mit „Das ist Senf, Spatzl“ beantwortet, woraufhin sie fragte „Süßer oder scharfer?“. Wir lachen heute noch darüber, wenn wir Senffelder sehen.

Na jedenfalls, rund um diese Frage, wo Fernfahrer nun eigentlich schlafen, habe ich meiner Frau erklärt, dass ich früher auch mal beruflich 40-Tonner fahren wollte. Sie schaute mich sehr erstaunt an und meinte: Häh, ich dachte, du wolltest Pfarrer werden? Ja das auch. Waren wilde Zeiten.

Pfarrer wollte ich werden, weil ich als Kind oft meine Großeltern im thüringischen Eichsfeld besucht habe. Was für ein fantastischer Ort. Ich habe dort wirklich gern einige Wochen meiner Sommerferien verbracht. Nur die Gottesdienste, zu denen ich meine Großeltern begleitet habe, waren so furchtbar langweilig. Und so hatte ich schon mit 8 Jahren den Wunsch Pfarrer zu werden, weil ich wusste, ich kann’s besser und bei mir würde sich niemand auf den Bänken langweilen. Lange bevor ich von amerikanischen Kirchen wusste (wir reden hier von DDR-Zeiten), wollte ich fetzige Gottesdienste und die Kirche von innen revolutionieren. Ich erinnere mich, wie ich das immer als Antwort gegeben habe, wenn mich jemand nach dem Warum gefragt hat, wenn ich gesagt habe, ich möchte Pfarrer werden. Die Reaktionen waren Lachen und hochgezogene Augenbrauen. Ich glaube nicht, dass mich jemand ernst genommen hat, aber diesen Berufswunsch hat mir auch niemand ausgeredet.

Der ist nämlich von ganz allein vorübergezogen, als Auf Achse in unserem heimischen Wohnzimmer Einzug gehalten hat. Ab da wollte ich Fernfahrer werden, so wie Franz Meersdonk einer war. Die ganze Zeit auf Tour, Terminfracht ausliefern und wilde Abenteuer erleben. Der Gesichtsausdruck meiner Frau war im Dunkel des Autos nicht zu erkennen, aber das ungläubige Schweigen, gefolgt von einem „Du bist verrückt“ hat eigentlich auch alles gesagt.

Als ich das hier so aufschreibe, habe ich natürlich auch auf YouTube nach „Auf Achse“ geschaut. Es gibt tatsächlich alle Staffeln online. Und zu Recherchezwecken habe es wirklich versucht, aber ich weiß wirklich nicht mehr, was mich damals an dieser Serie fasziniert hat. Es müssen wohl die großen LKW und die fernen Länder gewesen sein. Ansonsten ist die Serie erschreckend schlecht gealtert und ich habe keine 20 Minuten durchgehalten, in dem Versuch das Gefühl von damals heraufzubeschwören. Aber das Intro klickt bei mir noch immer, und ich es juckt mich ehrlich gesagt in den Fingern, die Titelmelodie als Klingelton einzurichten.

Interessanterweise kann ich mir auch heute noch vorstellen, im Grunde jeden Job zu machen. Mein wohl größtes Talent ist, dass ich Generalist bin. Das heißt, ich kann eigentlich nichts so wirklich und bin so vielseitig interessiert, dass ich von heute auf morgen komplett neue Interessen aufbauen und alles, was gestern war, vergessen kann.

Das führt manchmal dazu, dass ich genervt von bestimmten Dingen denke „Ich brauch das hier alles gar nicht! Ich kann auch Busfahrer werden.“. Und dann denke ich über Busfahrer nach, und dass das eigentlich ein cooler Job wäre. Ich male mir Dienstpläne aus, denke an nette und an nicht so nette Passagiere, bis jemand kommt und mir plötzlich von Bestattern erzählt, und dann denke ich, wie unheimlich entspannt das wohl sein muss und dann dreht sich mein Gedankenkarussell von vorne. Vielleicht sollte ich mich wirklich mal auf ADHS testen lassen?

Raus aus dem Münchner Nebel, rauf auf den Jägerkamp

Ich habe den letzten Urlaubstag genutzt, dem trostlosen (aber durchaus ansehnlichen) Münchner Nebel zu entfliehen. Kurz nach 9 Uhr bin ich am Spitzingsattel angekommen, hab die Wanderstiefel geschnürt und bin in Richtung Jägerkamp losmarschiert. Die Gipfel rund um den Jägerkamp standen schon eine Weile auf meiner Liste, hat aber bisher nie geklappt, vor allem weil das Gebiet von Dezember bis Juli nicht betreten werden darf.

Beim Aufstieg habe ich deutlich gemerkt, welche Konsequenzen 4 Wochen ohne Sport auf meine Leistungsfähigkeit haben. Ich bin jedenfalls beim Aufstieg ordentlich ins Schnaufen gekommen und wurde auch von zahlreichen anderen Wanderern überholt. Das war eine gute Gelegenheit, die Aussicht beispielsweise auf die letztes Jahr bestiegene Brecherspitz zu genießen, oder eine erste Brotzeit in der (geschlossenen) Jägerbauernalm zu vernichten.

Blick auf die Brecherspitz mit bewaldeten Hängen und markanten Felsformationen erstrecken sich unter einem klaren blauen Himmel.

Ein Holzgeländer der Jägerbauernalm mit Blick auf den Jägerkamp, mit vereinzelten Schneeresten unter klarem, blauem Himmel.

Die geschlossene Jägerbauernalm auf  einem Hügel unter einem klaren blauen Himmel.

Die Jägerbauernalm vor dem Jägerkamp, einer grasigen Hügellandschaft mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund unter einem klaren blauen Himmel.

Kurz vor dem nochmals steilen Anstieg zum Jägerkamp kam der deutliche Hinweis, dass es sich, zum Schutz der Raufußhühner, um ein zeitlich begrenzt zugängliches Gebiet handelt. Von hier hatte man auch einen herrlichen Ausblick auf die Aiplspitz, die auch noch auf meiner Liste steht.

Ein Schild des Wildschutzgebiets am Jägerkamp vor einem Hintergrund mit grünen Bäumen und blauem Himmel.

Eine malerische Berglandschaft mit schneebedeckten Gipfeln und bewaldeten Hängen unter einem klaren blauen Himmel.

Am Gipfel des Jägerkamp angekommen, war ziemliches Gedränge angesagt. Ich hätte nicht gedacht, dass sich heute so viele auf den Bergen tummeln. Es gab jedenfalls einen herrlichen Ausblick über den Spitzingsee, mit dem Großraum München unter einer dichten Wolkendecke am Horizont.

Blick vom Jägerkamp über den Spitzingsee, mit München in der Ferne unter dicken Wolken.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es in Richtung Wildes Fräulein, was ein ziemlich anstrengender Abstieg war, bei dem ich mich auch noch verlaufen habe, und dann wieder zurück durfte. Ich habe wirklich kurz überlegt, ob ich das Wilde Fräulein überhaupt noch mitnehmen soll, habe aber dann doch durchgezogen.

Blick auf den Jägerkamp, vom Wanderweg zum Wilden Fräulein aus gesehen, mit üppigem grünen Gebüsch auf einem Bergkamm unter klarem, blauem Himmel.

Ein teilweise schneebedeckter Wanderweg führt durch eine bewaldete Berglandschaft mit Blick auf ein Tal in der Ferne.

Ein Wanderpfad führt zum Gipfelkreuz vom Wilden Fräulein, mit Bäumen und klarem Himmel.

Vom Wilden Fräulein sollte es wieder hoch zum Jägerkamp gehen, was echt eine enorme Plackerei war. Ich war wirklich klatschnass, aber die Höhensonne hat gut gewärmt. Aber ohne die Wanderstöcke hätte ich den Aufstieg nicht gepackt. Auf dem Weg zur Benzingspitze gab es dann immer mehr Schneefelder und man hat deutlich gesehen, dass der Gipfel nicht so oft besucht wird. Das war dann auch der einzige Gipfel heute, an dem ich niemanden getroffen habe und den Ausblick ganz allein genießen konnte.

Wanderstöcke stecken im Schnee neben Fußabdrücken und einem Schuh beim Aufstieg zur Benzingspitze

Das Gipfelkreuz der Benzingspitze steht neben einer Holzbank, umgeben von grünen Sträuchern unter einem strahlend blauen Himmel.

Von der Benzingspitze ging es auf dem direkten Weg zum Spitzingsattel. Der Abstieg hat sich echt etwas gezogen und ich war sehr erstaunt, 2 Stunden vor Sonnenuntergang noch viele Wanderer in die Berge ströhmen zu sehen.

Ein Wanderweg in einem Gebirgsgebiet mit Wegweisern, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.

Eine malerische Berglandschaft mit Blick auf das Wilde Fräulein, zeigt einen sonnigen Tag mit einem klaren Weg, der durch ein alpines Tal mit einer Alm führt.

Eine rustikale Holzhütte steht in einer sonnigen Berglandschaft mit Blick auf das Wilde Fräulein und den Jägerkamp, mit einem bewaldeten Hügel im Hintergrund.

Am Spitzingsattel angekommen, habe ich noch 3 ältere Damen zum Bahnhof Spitzingsee mitgenommen, da der Bus scheinbar überfüllt war und der Busfahrer sie ziemlich unwirsch hat stehen lassen. Das war den drei Ladies jeweils 3 Karmapunkte wert.

Fazit: Ich bin froh dem tristen Wetter in München heute mit dieser Tour entkommen zu sein. Und endlich konnte ich auch die 3 Gipfel in meinem (virtuellen) Gipfelbuch verewigen. Insbesondere der Teil vom Jägerkamp zum Wilden Fräulein (und zurück), war sehr herausfordernd und aus meiner Sicht sind Wanderstöcke hier Pflicht. Würde ich nicht nochmal gehen.

Dampfnudeln

Ein Topf mit Dampfnudeln oder auch Hefeklösen neben einem Becher mit einer Vanillesauce auf einem Tisch.

Der 14-Jährige hat sich mal wieder Dampfnudeln gewünscht. Die mache ich immer nach diesem Rezept, das seit Jahren perfekt funktioniert. Sie sehen bei mir zwar nie so schön rund aus, schmecken aber dafür saulecker. Ihr entschuldigt mich bitte, ich bin jetzt mal kurz im Dampfnudel-Koma.