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Menschen die ins Licht starren

Noch vor 2 Stunden wusste ich gar nicht, das heute Sonnenfinsternis ist. Dabei hätte ich ein echtes Happening am Plieninger Liebesbaum verpasst.

Menschen sitzen bei der Sonnenfinsternis auf einer Wiese unter einem Baum, einige schauen Richtung Horizont. Fahrräder liegen und stehen am Rand, im Hintergrund sind weitere Gruppen zu sehen.

Das Spektakel hat mich an meine erste und auch letzte Sonnenfinsternis erinnert, die offensichtlich 1999 war. Vor 27 Jahren. Verrückt! Damals war es eine totale, das heißt es war kurz wirklich richtig duster.

Ich war damals zu Besuch bei meinem Onkel, seines Zeichens Physiklehrer, der auch den Anspruch hatte dieses Ereignis pädagogisch wertvoll aufzubereiten. Wir standen auf einem Hügel, von wo man einen tollen Ausblick auf die Umgebung hatte und ganz wunderbar sehen konnte, wie der Schatten vom Mond, der sogenannte Kernschatten, wie er erklärte, über die Landschaft gewandert ist, bis er einen dann selbst erreicht hat und es schlagartig dunkel war.

Heute wurde es nicht so ganz dunkel, was irgendwie nicht ganz so beeindruckend war. Weder für mich, noch für den 14-Jährigen der schon kurz nach dem Höhepunkt darauf gedrängt, das wir wieder aufs Moped steigen, und noch eine Runde drehen.

Americana

Filmplakat zu Americana mit einer Frau im Westernhemd im Vordergrund, dahinter ein rotes Auto, eine weitere Figur und mehrere Speere in einer staubigen, beigefarbenen Landschaft.

Zum Ausklang des Sonntagabends habe ich mir den von Lars kürzlich empfohlenen Film Americana gegönnt und war ausgesprochen angetan.

Normalerweise bin ich eher zurückhaltend, Filme zu schauen, deren Tomatometer nicht wenigstens an der 80 kratzt. Americana liegt bei gerade einmal 62%, und ich habe wirklich keinen blassen Schimmer wieso.

Die Geschichte ist gut und auch wirklich gut erzählt, die Charaktere haben Tiefe und der Film erzeugt nicht zuletzt durch seine Bildsprache ein tolles Ambiente. Wenn mir jemand gesagt hätte, das wäre ein neuer Film von Tarantino oder den Coen-Brüdern, ich hätte es vermutlich erstmal geglaubt.

Rotten Tomatoes fasst seine Kritik wie folgt zusammen:

Americana blends gritty charm, compelling performances, and cultural resonance, but its lack of narrative focus and inconsistent execution keep it from fully realizing its potential.

Ja, die Geschichte nimmt sich Zeit, springt zwischen Figuren und Perspektiven und wirkt lange nicht so, als würde sie zielstrebig auf einen bestimmten Punkt zulaufen. Aber genau das hat für mich hervorragend funktioniert und so haben die richtig guten Filme früher alle funktioniert. Das scheint nicht mehr populär zu sein. Vermutlich kommt man dann am Second Screen nicht mehr so einfach mit. Egal! Anschauen! Unbedingt!

Badehosen im Fahrtwind

Ich habe gerade mit dem 14-Jährigen die erste Ausfahrt auf seinem neuen Moped gemacht. Da er seinen Führerschein noch nicht hat, durfte ich sein neues Heiligtum die 10 Kilometer zu seinem Lieblingsweiher lenken.

Ein Jugendlicher mit Rucksack steht neben einem schwarzen Roller auf einem Kiesweg und hält einen Helm in der Hand. Im Hintergrund stehen ein Auto und dichtes grünes Gebüsch.

Dort sind wir dann ins kühle Nass gesprungen und ich habe mich, während ich so schwamm gefragt, wie man einen Weiher direkt unter Hochspannungsmasten, mit diesem permanenten bzzzzzz-krrr-tschk-bzzzz-fzt-bzzzzzzz überhaupt mögen kann. Mir hat schon nach 5 Minuten der Kopf gesurrt. Zum Glück ging es (uns beiden) mehr ums Moped fahren, also saßen wir bald wieder auf dem Roller und haben unsere Badehosen im Fahrtwind getrocknet.

Ruhiger Weiher mit spiegelnder Wasseroberfläche, Bäumen am Ufer und Hochspannungsleitungen, die über das Wasser verlaufen. Im Vordergrund sind Steine, Gräser und kleine Pflanzen zu sehen.

Poker Face, Staffel 1

Serienplakat zu Poker Face: Nahaufnahme eines Frauengesichts mit blonden Haaren und großer Pilotenbrille, in deren Gläsern eine Straße und ein Auto gespiegelt sind. Darauf stehen der Titel Poker Face sowie Hinweise auf die Peacock-Serie und den Starttermin.

Wie von Bielinski ausdrücklich empfohlen, habe ich mir diese Woche die erste Staffel von Poker Face reingezogen. Das war insgesamt recht unterhaltsam, auch wenn ich nach Folge 7 und 8 eigentlich abschalten wollte. Die waren wirklich ganz und gar gruselig. In Folge 9 hat sich das Bild dann zum Glück vollständig gedreht und Folge 10 war ein insgesamt runder und versöhnlicher Abschluss.

Phasenweise war mir Poker Face etwas zu vorhersehbar, was nicht nur daran liegt, das man schon zu Beginn jeder Episode weiß, wer der Mörder ist, den die Hauptdarstellerin Charlie Cale, dank ihrer Super-Power Lügen zu erkennen, dann im Laufe der Episode gekonnt überführt.

Die Serie strahlt auf eine Art einen Retro Charme aus, der auf mich sehr beruhigend gewirkt hat. Klarer Anschautipp! Und jetzt gehts weiter mit der zweiten Staffel.

Die Simson ist mal wieder weg

Der 14-Jährige wollte ein Moped. Ich konnte das verstehen. Schließlich hatte ich als Jugendlicher selbst eins.

Als DDR-Kind hatte ich natürlich eine Simson S51, auch wenn die Zeit, als ich mit diesem Kult-Teil herumgefahren bin, schon nach der Wende lag. Ich war damals wahnsinnig stolz auf mein Moped, das ich zusammen mit meinem Onkel, der dieselbe S51 schon in seiner Jugend gefahren hat, in den Sommerferien um meinen 16. Geburtstag herum aufbereitet habe. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, wie wir jedes einzelne Teil gesandstrahlt und neu lackiert haben.

Danach hat die vorher grüne S51 nicht nur in Sonnengelb und Blau gestrahlt, sondern hatte auch ein Cross-Schutzblech und einen hochgelegten Auspuff. Was man sich als Jugendlicher halt so alles einbildet. Und zumindest in dieser Hinsicht scheint der heutige Geschmack gar nicht so weit von meinem damaligen entfernt zu sein. Der 15-Jährige kommt jedenfalls aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus, wenn er das Moped seines Vaters sieht.

Gelbe Simson im Gelände-Look mit blauem Seitenteil, hochgelegtem Auspuff und schwarzer Sitzbank auf einer blühenden Wiese.

Das Foto hat ChatGPT aus meiner Erinnerung rekonstruiert. Vor lauter Liebe, Schrauberei und permanentem Rumgedüse habe ich damals anscheinend vergessen, auch nur ein einziges Foto von meinem Moped zu machen. Und auch wenn der Look danach aussieht, Offroad bin ich damit trotz der überzeugenden Optik nie gefahren, also abgesehen von ein paar Feldwegen, um zum Baggersee zu kommen.

Eine weniger schöne Seite der S51 war, dass beinahe wöchentliches Schrauben zum Pflichtprogramm gehörte, wenn man einigermaßen unkompliziert unterwegs sein wollte. Aber auch die regelmäßige Wartung des Gefährts hat einen am Ende nicht vollständig davor bewahrt, ab und an von der an sich robusten Ost-Technik im Stich gelassen zu werden. Dafür hatte jeder Simson-Fahrer immer Werkzeug dabei, mit dem man der simplen Technik im Fall der Fälle auf die Sprünge helfen konnte.

Leider wurde mir mein geliebtes Moped nach etwas über 2 Jahren in meinem Besitz geklaut und Monate später habe ich nur noch den Rahmen zurückbekommen. Damit war mein Simson-Kapitel, wie ich annahm, für immer beendet.


30 Jahre später wollte der bald schon 15-Jährige nun ein Moped und auch nicht irgendeines, sondern eine Simson bitteschön, weil die ganz offiziell 60 km/h fahren dürfen. Zuerst war ich echt stolz auf ihn. Dann versuchte ich allerdings ziemlich schnell, ihn davon abzubringen.

Nicht nur, dass diese Ost-Mopeds vollkommen overhyped und dementsprechend teuer und Diebstahl-gefährdet sind, nein sie sind auch mindestens 30, gern 40 oder auch 50 Jahre alt und dementsprechend anfällig. Ehrlicherweise waren die Mopeds schon früher alles andere als zuverlässig, aber durch die simple Technik im Grunde von jedermann leicht zu reparieren. Und das war leider häufiger notwendig als man in seiner leicht verblendeten Ostalgie vielleicht wahrhaben will. Im Osten gab es kaum eine ernsthafte Alternative, und genau deshalb fuhr gefühlt jeder so ein Teil, nicht, weil es damals schon ein Kultobjekt war.

Wenn man nicht den unbedingten Willen hat, sich mit dieser Steinzeittechnologie zu beschäftigen und regelmäßig ölige Hände zu haben, sollte man es lassen. Der Sohn war bereit dazu und auch nicht davon abzubringen. Lediglich die über 3.000 Euro für eine S51 wollte er nicht ausgeben, weshalb er sich für einen Simson SR50 entschieden hat. Die Bezeichnung SR steht für Stadtroller. Das Modell war im Grunde der Nachfolger der erfolgreichen, bis heute ikonischen Simson Schwalbe.

Eine weiß-schwarzes Simson SR50 mit langem schwarzen Sitz steht auf einem Gehweg vor einer hellen Hauswand. Teile wirken abgenutzt, am Lenker und den Rädern sind Gebrauchsspuren zu sehen.

Eine Simson SR50 steht schräg auf einem gepflasterten Gehweg vor einer Hauswand. Vorn sind runder Scheinwerfer, orange Blinker, Spiegel und die beigefarbene Verkleidung gut zu sehen.

Diesen haben wir vor einigen Monaten im Schneeregen geholt und seitdem immer wieder hier und da daran geschraubt. Denn selbst wenn wir nur kurze Probefahrten gemacht haben, gab es immer etwas zu reparieren oder neu einzustellen.

Dass es an einer Simson immer etwas zu schrauben geben würde, hatte ich dem 14-Jährigen schon seit Monaten gepredigt. Und auch ausnahmslos alle Verkäufer, deren Mopeds wir uns angeschaut hatten, bliesen ins gleiche Horn. Mit deutlich warnendem Unterton machten sie klar, wie viel Zeit sie selbst mit Reparaturen und Wartung verbrachten. In zwei von vier Fällen musste sogar die Probefahrt abgebrochen werden, weil die jeweilige Simson schlicht bockte.

Egal. Der 14-Jährige war sich sicher, dass er das hinbekommen würde. Also verbrachten wir viele Stunden in der Garage und gaben unser Bestes, den Roller fit zu machen. Richtig rund lief er allerdings nie, und mein Frustpegel stieg und stieg.

Mehrfach legte ich meinem Sohn nahe, sich doch bitte einen modernen Roller zu holen, einen, auf den man sich einfach nur setzt und mit dem man zuverlässig losfahren kann. Diese fortlaufenden Botschaften und sein eigenes Eingeständnis, dass selbst mit YouTube-Tutorials in der Realität vieles komplizierter ist, zeigten irgendwann Wirkung. Damit war die Entscheidung gefallen, die Simson endlich zu verkaufen.

Heute Gestern hat ein netter Herr, nach eigener Aussage überzeugter Simson-Fan (und das, ohne jemals im Osten gelebt zu haben), den SR50 überglücklich abgeholt. Damit ist das Kapitel Simson hoffentlich endgültig abgeschlossen.

Wobei das vermutlich nicht ganz stimmt. Denn während ich froh bin, dass der Roller weg ist, genügt schon eine Serie über acht Thüringer auf ihren DDR-Mopeds, und die alte Begeisterung ist sofort wieder da.

Screenshot einer Streaming-Seite mit der Serie „Simson Roadtrip“: Mehrere Personen fahren auf Mopeds über eine Straße, darunter verschiedene Simson-Modelle.

In der sehr sehenswerten 4-teiligen ZDF-Serie, die wohl jedem Moped-Fahrer das Herz aufgehen lässt, fahren 8 Freunde aus Niederbösa in Thüringen auf ihren DDR-Böcken nach Belgien. Ihr Ziel ist einmal mit den Mopeds über die berühmte Formel-1-Rennstrecke in Spa zu fahren.

1.528 Kilometer, jede Menge Pannen und mindestens ebenso viel Fahrspaß. Wem es dabei nicht in der rechten Hand juckt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Unabhängigkeitsbestrebungen vorläufig abgeschlossen

In meinen Bestrebungen, meine Inhalte auf den für mich wichtigen Plattformen unter eigener technischer Kontrolle zu haben, habe ich nach dem Umzug meines Mastodon-Profils auf eine selbst gehostete GoToSocial-Instanz nun auch Bluesky auf meinen eigenen PDS umgestellt.

Beides läuft auf einer virtuellen Maschine bei OVHCloud und kostet mich derzeit keine 5 Euro im Monat. Das Setup bietet grundsätzlich die Möglichkeit, auch noch weitere Dienste zu betreiben, aber aktuell fällt mir nichts ein, das ich mir noch zusätzlich aufhalsen will.


Mittlerweile habe ich meinem GoToSocial-Fork auch vollständige Unterstützung für Quote-Posts nachgezogen. Beiträge lassen sich damit nicht nur zitieren und als richtige Zitatkarte darstellen, sondern man kann auch in den Einstellungen festlegen, wer die eigenen Beiträge überhaupt zitieren darf und ob dafür vorher eine Freigabe nötig ist.

Screenshot einer GoToSocial-Einstellungsseite im Browser mit geöffnetem Bereich für Interaktionsrichtlinien. Zu sehen sind Auswahlfelder für Likes, Antworten, Boosts und Zitate sowie Schaltflächen zum Speichern und Zurücksetzen.

Mit all den anderen Anpassungen der letzten Wochen, hat GTS damit für endlich einen auch im Alltag einsatzfähigen Stand erreicht.

Von der Unmöglichkeit, Nachrichten zu konsumieren

Nachdem ich vor einigen Monaten Nachrichten aus meinem Leben verbannt habe 1, stelle ich fest, dass ich immer regelmäßiger und vor allem aus echtem Interesse am Abend eine Nachrichtensendung anschaue.

Meist handelt es sich um die 20 Uhr Tagesschau, die ich direkt im Browser streame. Und auch wenn ich mir Mühe gebe, mich dabei zu fokussieren und dem Stream aufmerksam zu folgen, meine Gedanken schweifen meist schnell ab oder ich spüre einen inneren Drang hierhin und dorthin zu klicken. Als Konsequenz starte ich das Video im Vollbild, was das Gefühl nur verstärkt, dass hinter dem Videobild, in irgendeinem Fenster oder Tab, gerade etwas meine Aufmerksamkeit verlangen könnte.

Infolgedessen, gehe ich dazu über, Artikel auf Nachrichtenseiten zu lesen. Nach einem kurzen Versuch erkenne ich, dass die Masse an Artikeln und die nicht vorhandenen Aufbereitung eines sinnvollen Tagesüberblicks nicht kompatibel mit meinem knappen Zeitfenster und Informationsbedürfnis ist.

Ich abonniere tägliche Newsletter, aber die Auswahl an Themen holt mich nicht ab und um etwas zu Ende zu lesen, muss man in den meisten Fällen doch auf die Webseite wechseln. Abgesehen davon ist meine Inbox einfach kein Ort, an dem ich entspannt lesen kann, auch aber nicht nur, weil die roten Zahlen zur Eile mahnen, bevor der nächste Newsletter eintrudelt.

In allerletzter Konsequenz abonniere ich ein gedrucktes Wochenmagazin. Einmal die Woche, in Ruhe nachlesen was wichtig war, ganz ohne Druck und Stress. Genau mein Ding. War es schon vor bestimmt 20 Jahren, als ich die letzte gedruckte Zeitschrift abonniert hatte.

Heute kommt also das erste gedruckte Wochenmagazin. Ich hole mir ein kaltes Bier und setze mich auf die von der Abendsonne geflutete Terrasse, um in Ruhe zu lesen, was ich diese Woche alles verpasst habe. Nach wenigen Zeilen lege ich das Heftchen zum ersten Mal beiseite, nehme die Brille ab und reibe mir die Augen. Ich frage mich, ob die Schrift in diesen gedruckten Zeitschriften schon immer so klein war, ob sich da in den letzten zwanzig Jahren irgendwas geändert hat? Vielleicht spart man heute so Papier, in dem man die Informationen möglichst eng in den knappen Raum presst? Ich denke mir, dass meine ältlichen Augen dafür wohl nicht mehr gemacht sind, und frage mich zugleich wer dieses gedruckte Papier dann überhaupt noch liest.

Ich atme schwer, klappe das Notebook auf und versuche es mit dem digitalen Magazin, dessen Nutzung im Schnupperpaket ebenfalls enthalten ist und der Kreislauf startet von vorn.

  1. Abgesehen von dem wöchentlichen Podcast Lage der Nation↗︎

Meistens ist doch alles eher harmlos

Beleuchteter chinesischer Turm im Englischen Garten bei Nacht, umgeben von dunklen Bäumen und Biergarten-Schirmen. Im Vordergrund stehen leere Bierbänke und Biertische.

Ich lass’ das Foto des mitternächtlichen chinesischen Turms mal als Erinnerung für einen etwas zu aufregenden Abend um die 18-Jährige hier. Quasi als Mahnmal, das man sich auch zu viele Sorgen machen kann und dann mit gehetzten Metern Kilometern im Englischen Garten, bei 27 Grad Außentemperatur bestraft wird.

In diesem Sinne: Gute Nacht Welt!

Rasende Mäher

Nach fast 10 Jahren Pause, war es heute endlich wieder mal so weit, und in Landsham sind die Rasenmäher (oder so) beim mittlerweile 5. Rasenmäher-Bulldog-Rennen um die Wette gefahren. Das war schon 2014, beim allerersten Rennen, eine richtig wilde Gaudi. 2017 ist das letzte Rennen dann einem plötzlich aufziehenden Unwetter zum Opfer gefallen, und wurde meines Wissens ohne Sieger beendet. Und seitdem gab es keine rasenden Mäher mehr zu bestaunen.

Alter grauer Bulldog mit roten Felgen steht auf einer Straße neben einem abgeernteten Feld, im Hintergrund ein abgesperrter Bereich und Zuschauer. Auf der Front ist ein Aufkleber mit der Aufschrift Fischer Wild angebracht.

Etwas geübt von den Vorjahren, sind wir dieses Jahr erst um 15 Uhr eingetrudelt und haben uns die ganzen Qualifikationsrennen gespart. Auch wenn diese eigentlich die meisten Überraschungen Ausfälle bieten, ist der Tag bis zum Finale gegen 18 Uhr einfach zu heiß und staubig.

Mehrere Personen reparieren einen umgebauten Rasenmäher auf einem staubigen Stoppelfeld nahe der Startlinie. Im Hintergrund stehen Zelte, Fahrzeuge und Absperrband unter einem wolkigen Himmel.

Der 14-Jährige war schon seit kurz nach 10 Uhr in der Früh vor Ort, und hat abwechselnd eine Schicht am Grill oder der Kasse für selbigen übernommen. Als wir eingetrudelt sind, meinte er nur, dass zur Mittagszeit schon das erste Mal die Getränke ausverkauft waren und die Schlange am Essenszelt eine Wartezeit von fast 2 Stunden hatte. Also haben wir auf jeden Fall alles richtig gemacht.

Wer dann am Ende gewonnen hat, weiß ich gar nicht, da wir nicht bis zur Siegerehrung bleiben konnten. Ist, glaube ich aber auch ziemlich egal. Es geht um den Spaß am Dabeisein, und den hatten sowohl Teilnehmer als auch Zuschauer sichtlich.

Das verhexte Paket

Alles begann mit einem Geburtstagsgeschenk, das ich mir selbst dieses Jahr gönnen wollte. Ich habe mir eine Armbanduhr von einem britischen Hersteller bestellt. Nicht sündhaft teuer, gemessen an dem, was Armbanduhren gerne kosten können, aber mit etwas über 1.000 EUR auch nichts was ich mir leichtfertig einfach so kaufe.

Zwei Wochen später kam meine neue Uhr an und gefiel mir leider nicht. Also so absolut gar nicht. Ich habe daraufhin den Retourenprozess beim Hersteller gestartet, das erhaltene Versandlabel auf das Paket geklebt und es brav in einer Filiale auf die Reise geschickt.

Keine zwei Wochen später hab ich das Paket wieder in den Händen gehalten. In einer Klarsichtfolie auf der Rückseite steckte ein Formular, auf dem ein DHL-Mitarbeiter “ABD fehlt” gekritzelt hat. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass damit ein Ausfuhrbegleitdokument gemeint war. Das habe ich dann, verbunden mit der Frage was wir jetzt machen, dem freundlichen Support des Uhrenherstellers mitgeteilt. Dann hörte ich erst einmal nichts mehr.

Auf eine erneute Nachfrage erhielt ich auch nur verschriftliches Schulterzucken, das man so etwas auch noch nie erlebt habe, auch keine Ahnung hat, was das Problem sei, aber hier sei ein neues Versandlabel, wird schon klappen.

Mit dem nigelnagelneuen Versandlabel und voller Zuversicht, habe ich das Paket erneut bei DHL in Richtung Großbritannien geschickt. Doch auch dieses Mal lag es zwei Wochen später wieder auf dem heimischen Esstisch.

Die Rückseite von einem Paket, das auf die britische Insel gesollt hätte, aber mehrere Male zu mir zurückgekommen ist.

Die nächste Meldung beim britischen Händler hat noch etwas länger auf eine Reaktion gewartet, aber diesmal erhielt ich eine Mail mit 5 Anhängen, die ich besser sehr genau gelesen hätte, um mir den etwas peinlichen Zwischenschritt zu ersparen. Enthalten war eine Proformarechnung, irgendein DHL-Versanddokument und 2 Versandlabel, das eine zum Aufkleben auf dem Paket und das andere um es dem Kurier bei der Abholung in die Hand zu drücken. Geendet hat die Mail mit dem Hinweis, dass ich das Paket auf keinen Fall verschließen und bitte den Link zur Vereinbarung eines Abholtermines klicken sollte.

Der erste Abholtermin war für den letzten Samstag vereinbart. Als auch über eine Stunde nach dem Ablauf des Zeitfensters niemand geklingelt hat, habe ich den Termin auf heute, also Montagmittag verschoben.

Heute dann, zwei Stunden vor dem eigentlich vereinbarten Zeitfenster klingelt es Sturm und ein DHL-Fahrer steht wild gestikulierend und auf sein elektronisches Handgerät deutend vor mir. Ich hatte das Paket vorsorglich neben der Tür geparkt und zeige es ihm, wie in der Mail ausdrücklich beschrieben, unverschlossen. Er deutet Daumen hoch. Ich frage, ob ich es verschließen soll und ob er ein Versandlabel habe (das ist der Teil der Mail, den ich nicht gut genug gelesen habe… ich bin nämlich, warum auch immer, davon ausgegangen, das der Fahrer vor Ort ein Label druckt).

Ich rede und rede, aber er bleibt stumm und zeigt nur immer auf sein Gerät oder hebt den Daumen. Ich wechsel auf Englisch, seine Reaktionen bleiben unverändert. Nach 2 Minuten denke ich mir, das er wohl stumm ist, da einfach kein Ton aus seinem Mund kommt. Ich rede langsam und deutlich, in der Hoffnung er könne meine Lippen lesen. Gefühlte Minuten verstreichen, bevor ich ihm gestikuliere, dass ich das besser aufschreibe, woraufhin er den Daumen hebt und lächelt. Ich fange an eine Notiz auf meinem Smartphone zu tippen, aber sein Zeigefinger deutet mir ein deutliches Nein an. Er signalisiert mir, das er kurz zum Auto geht. Während ich mich noch frage, mit welchem magischen Gerät er gleich auftaucht, hält er mir schon sein Smartphone mit einer geöffneten Übersetzungs-App unter die Nase.

Ich tippe meine Fragen ein, es erscheint ein russischer Text. Er tippt eine Antwort und auf Deutsch lese ich, das er auch keine Ahnung habe. Alles wirkt sehr skurril, wie wir da tippen und Schultern zucken. Mir wird immer klarer, dass mir der DHL-Mitarbeiter wohl nicht helfen kann und ich ihn nur von seinem Job abhalte. Also tippe ich “Alles ok! Ich melde mich bei DHL! Danke!” in das Gerät und er geht lächelnd und mit gehobenem Daumen zu seinem Auto und braust davon.

Ich öffne erneut die Mail des britischen Händlers und sehe jetzt, die beiden Versandlabel, von denen ich dachte die würden beim Abholen nach Inspizieren des Paketes gedruckt. Ich fasse mir ans Hirn und es klatscht deutlich. Ich drucke beide Etiketten aus und vereinbare online einen erneuten Abholtermin für den späten Nachmittag des gleichen Tages.

Wie sollte es bei dieser Geschichte anders sein, gab es heute keinen weiteren Abholversuch und ich frage mich, ob ich das Paket nicht auch einfach zur Post hätte bringen können, auch wenn in der Mail ausdrücklich eine Abholung angewiesen wurde. Jetzt ist es natürlich zu spät für derart schlaue Ideen und nachdem ich ab morgen für ein paar Tage beruflich unterwegs sein werde und mich selbst nicht mehr um das Paket kümmern kann, habe ich meine Frau gebeten das Paket morgen bei der örtlichen Postfiliale auf die Reise zu bringen.

Ich hoffe, dass das dann das Ende der Geschichte um dieses verhexte Paket ist und ich mein Geld zurückbekomme. Ich würde mir dann nämlich wirklich gerne eine andere Uhr von dem britischen Hersteller bestellen wollen.

Kleine Kinder kleine Sorgen

Ich wollte schon länger etwas über die elterlichen Sorgen mit heranwachsenden Kindern schreiben und das bleibt vorerst auch ein Thema, das ich mir für später aufhebe. Um darüber wirklich etwas Reflektiertes von mir zu geben, muss ich noch einmal in mich gehen und mir außerdem überlegen, wie viel von dem, was in den letzten Jahren des gar nicht so einfachen Teenagerlebens der nunmehr 18-Jährigen ich hier überhaupt von mir geben kann.

Wie dem auch sei, die 18-Jährige ist gerade sehr glücklich, weil nach dem großen Knall bahnt sich etwas Neues an. Ich freue mich, mahne aber zur Langsamkeit und habe das Gefühl mich anzuhören wie mein eigener Vater, auch wenn ich mit ihm nie über Beziehungen oder Sexualität gesprochen habe. Das werte ich schon als einen gewissen Erfolg, das ich derart nah teilhaben kann, auch wenn ich mir manchmal wünsche gar nicht so viel zu wissen.

Die Dialoge mit heranwachsenden sind, zumindest für mich, oft anstrengend. Sie wissen und können eigentlich alles, brauchen grundsätzlich keinen Rat, aber fordern lautstark finanzielle Unterstützung und mit klimpernden Augenaufschlägen und liebsten Worten einen Fahrer. Also zumindest bei der 18-Jährigen ist das so. Der 14-Jährige ist da ganz anders und ich frage mich, ob er in 4 Jahren auch eine ähnliche Kurve nimmt.

In der Nussschale bin ich da heute einmal durch:

  • Ja, ich fahre dich zum Volksfest, aber kannst du bitte dein Zimmer endlich mal aufräumen?
  • Bitte nimm eine Jacke mit, es wird frisch heute Abend.
  • Ja ich bring’ dir deine Jacke Kind. Bitte steh am Parkplatz!
  • Denk dran das ich dich auf keinen Fall wieder um 2 Uhr abhole! Ich muss morgen arbeiten.

Und ja, die junge Dame hat tatsächlich ihr Zimmer aufgeräumt. Einundzwanzig (nach meiner Intervention) leere Wasserflaschen haben den Weg in den Keller gefunden und Müllsäcke sowie diverses anderes Zeug wurden vor der Zimmertür abgeladen. Meine Bedingung für die nächtlichen Taxifahrten war einfach nicht präzise genug formuliert.

Vor einem Regal und einem Sofa liegen Müllsäcke, Schulhefte und ein rosa Ordner auf dem Parkettboden. Die Szene passt zum aufgeräumten Jugendzimmer, dessen Müll vor der Tür abgeladen wurde.

Ich bräuchte jetzt einen Wein, aber ich muss ja noch fahren.

Die Frau im Nebel

Filmplakat zu „Die Frau im Nebel“ mit einer stilisierten Berg- und Meereslandschaft, einer großen Frauenfigur im Hintergrund und einem Mann im Anzug im Vordergrund.

Ich wünschte, ich könnte die Begeisterung vieler Kritiker für diesen Film teilen. Aber irgendwie will der Funke bei mir einfach nicht überspringen.

Ich wollte Die Frau im Nebel schon vor ein paar Monaten anschauen, bin aber mittendrin eingeschlafen. Heute habe ich einen neuen Anlauf genommen und mich durch das mehr als zweistündige Epos gekämpft. Leider wirkt die Geschichte über weite Strecken wirr, unnötig kompliziert und in die Länge gezogen. Da nicht in den Second Screen abzudriften, erfordert viel Standhaftigkeit.

Vielleicht enttäuscht mich der Film aber auch deshalb so sehr, weil Park Chan-wook mit Die Taschendiebin bereits gezeigt hat, wie fesselnd, sinnlich und zugleich raffiniert sein Kino sein kann.