Ein kurzes Winken aus dem Kaninchenbau
Der eine oder andere wird sich vielleicht fragen, warum hier aktuell relativ wenig neue Artikel erscheinen. Ich finde das gar nicht so ungewöhnlich, immerhin habe ich keinen Urlaub mehr, und die wenige freie Zeit muss für Freunde, Familie und meine viel zu vielen Projekte und Hobbys reichen. Und da ich mir keinen Druck mache, hier etwas aufschreiben zu müssen, gibt es hier aktuell halt weniger zu lesen.
Ein weiterer Grund ist, dass ich mal wieder in einen neuen Kaninchenbau gestolpert bin und angefangen habe, meine eigenen iOS-Apps zu schreiben. Das macht dermaßen viel Spaß und ich ärgere mich, dass ich nicht schon viel früher damit angefangen habe. Irgendwas programmiert habe ich ja eigentlich schon immer, angefangen mit ersten Batch-Skripten als Jugendlicher und Turbo Pascal in der Schule, später Visual Basic, Java und auch PHP, letzteres vor allem für die Automatisierung meines Zuhauses. Aber iOS-Entwicklung war irgendwie immer eine Nummer zu groß für mich.
Während der Pandemie hatte ich schon mal einen Anlauf genommen und mir einige Swift-Kurse reingezogen. Das war zäh, und etwas Vorzeigbares ist nie daraus entstanden, vermutlich auch, weil meine Ideen viel zu groß waren und ich realisiert habe, dass ich mit meinen Fähigkeiten Monate, vielleicht sogar Jahre bräuchte, um sie zu realisieren. Diese Geduld hatte ich damals nicht.
Jetzt, ein paar Jahre später, passt plötzlich alles zusammen:
- Viele Jahre, in denen ich beruflich Verantwortung für Softwareprodukte hatte und sehr viel darüber gelernt habe, das vor allem die fehlende Vision und das fehlende Verständnis über den Anwender, neben einem klaren Nein zu noch mehr Features ein Produkt zerstören.
- Mein generelles Verständnis über Softwareentwicklung und meine rudimentären Swift-Grundlagen von damals.
- Ausgereiftere Entwicklungstools die einem mittlerweile schon von Haus aus sehr viel abnehmen.
- Und ja, natürlich auch Coding-Assistenten, die nicht nur beim Boilerplate und Standard-Patterns helfen, sondern auch wirklich gut Dinge automatisiert umsetzen können, von denen man selbst keine Ahnung hat und dann nur staunend daneben sitzt.
Das auch andere von dieser Entwicklung profitieren, sieht man an der Schwemme von Apps und Services die gerade auf den Markt geworfen werden. Leuten, die sehr schnell sehr viel Code erzeugen können, aber wenig Gefühl dafür haben, ob das Ergebnis wirklich gut ist. Diese Apps sind oft ungetestet, fragil und mit dem alleinigen Ziel der schnellen Monetarisierung gebaut. Im besten Fall kosten sie dem Anwender nur etwas Lehrgeld und erzeugen Frust, im schlimmsten Fall sind sie echte Datenschutzrisiken.
Die reine technische Funktion wird damit zur Commodity, aber es reicht nicht mehr, dass eine App "einfach nur funktioniert". Ich behaupte, das Menschen in Zukunft nicht mehr für Features an sich bezahlen, sondern für Vertrauen, Datensicherheit und eine herausragende User Experience. In einer Welt voller generischer Massenware wird die persönliche Handschrift und die Sorgfalt zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil.