Recycled Words

Ich fühle mich noch gar nicht so alt

Mir ist ziemlich egal, wie alt ich bin. Wenn ich jemandem begegne, der mich noch nicht kennt, werde ich meist jünger geschätzt als ich bin. Ich bin nicht eitel genug, als dass mir das irgendwas bedeuten würde 10-15 Jahre jünger geschätzt zu werden. Meistens denke ich dann, dass die mich schätzende Person, ziemlich schlecht schätzen kann.

Am Ende kommt es ja auch eher darauf an, wie jung und gesund der Körper ist, in dem man wohnt. Und hier habe ich in den letzten Monaten leider ein paar ungesunde Angewohnheiten einziehen lassen, die ich dringend wieder ändern muss.

Aber zweimal im Jahr kommt mir dann doch mein Alter in den Sinn. Meistens kurz vor dem Jahreswechsel nach dem Motto "Huihh! Nächstes Jahr wirst du schon so viele Jahre alt sein.". Da der nächste Geburtstag zum Jahresende aber noch eine Weile hin ist, ist der Gedanke meistens schnell wieder verflogen.

Kurz vor meinem Geburtstag im Sommer kommt er dann zurück. Denn seitdem ich die 42 überschritten habe, fällt es mir nämlich echt schwer mich zu erinnern, wie alt genau ich gerade bin und damit dann auch in wenigen Tagen werde. Mein Lifehack: Ich schaue dann in mein iPhone Kalender, wo Apple das für mich zum Glück ausrechnet.

Obwohl ich ein super optimistisch und immer vorwärts denkender Mensch bin, sind meine Gedanken zum Jahresende mittlerweile eher etwas gräulicher Natur. Ich kann mich nicht erinnern, wann sich das geändert hat, aber ich bin mir sicher, dass ich früher™, eher aufs neue Jahr gefreut habe. Mittlerweile ist der bevorstehende Jahreswechsel für mich eher die etwas betrübliche Erkenntnis, dass das aktuelle Jahr, trotz vieler toller Erlebnisse, viel zu schnell vorübergegangen ist und das neue Jahr vor allem wieder einige nicht so schöne Makro-Ereignisse bereithalten wird. In diesem Kontext denke ich dann meist, dass ich ja zum Glück bald alt bin.

Im Sommer ist mir mein Alter und die meisten Makro-Ereignisse dann schon wieder ziemlich egal. Ich mache mir schon seit Jahren nichts mehr aus dem Feiern meines Geburtstages und möchte stattdessen den Tag am mit meinen Liebsten, bei irgendeiner gemeinsamen Unternehmung verbringen.

Was ich jedenfalls eigentlich schreiben wollte: Nächstes Jahr werde ich keine ganz so volle Hand an Jahren mehr von der 50 entfernt sein. Das fühlt sich für mich deshalb merkwürdig an, weil die darauffolgende 60 für mich sehr einschneidend, vielleicht sogar bedrohlich wirkt. Mit 60 Jahren beginnt für mich offiziell alt sein. Mit 60 geht man fast in Rente. Und mit 60 bleibt einem nicht mehr so viel vom Leben.

Auf dem Kaltenberger Weihnachtsmarkt habe ich an einem Mützenstand eine Schiebermütze aufgesetzt. Nicht weil ich unbedingt eine haben wollte, sondern weil wir sowieso hier standen und ich meiner Frau zugeschaut habe, wie sie allerhand Mützen und Schals anprobiert, als wäre es der erste Stand heute. Also hab auch ich zur Mütze vor mir gegriffen und sie auf meinem Kopf platziert. Die prompte und ungefragte Reaktion meiner Frau und Kinder war: Nimm die! Die steht dir!

Zwei Porträtfotos von René Fischer mit grauer Schiebermütze und dunkler Winterjacke vor einem rustikalen Hintergrund mit Holzbalken.

Ich habe mich unsicher im sehr kleinen und schlecht beleuchteten Spiegel betrachtet, 2-3 Schiebermützen mit anderen Farben und Mustern aufprobiert, 2 schnelle Selfies gemacht und mich nach einem leicht entsetzten Blick auf das Preisschild (60 Euro) recht schnell wieder vom Stand entfernt.

Ich glaube, ich bin kein Schiebermützen-Typ. Ich brauche einen warmen Kopf und warme Ohren. Und mit Sicherheit gebe ich keine 60 Euro aus nur, um so alt auszusehen, wie ich nicht bin.

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