Sterben im Netz
Jeder verlebt irgendwann seine letzte Sekunde auf diesem Erdball. Bestenfalls lebt man danach in den Erinnerungen seiner Mitmenschen weiter. Nicht ewig, aber für eine bestimmte Zeit. Nur Wenigen von uns ist es vergönnt, unauslöschbare Fußspuren in der Geschichte zu hinterlassen. Sie werden sozusagen unsterblich. Und dennoch gibt es einen Ort auf dieser Welt an dem der Tod nicht so stattzufinden scheint wie andernorts: Das Internet. Denn im Internet stirbt man irgendwie anders. Jeder stirbt im Internet anders und manche sterben auch nie. Das Sterben im Netz, ein Thema mit dem ich mich gedanklich schon einige male auseinandergesetzt habe. Die Süddeutsche versucht sich heute auch mal daran, hat aber auch keine anderen Antworten gefunden. Die üblicherweise in diesem Zusammenhang immer wieder erwähnten Dienste sollen die eigens geplante Online-Bestattung ordnungs- und wunschgemäß durchführen und halten dafür natürlich die Hand auf. Schon irgendwie merkwürdig das man im Netz nahezu für nichts Geld bezahlen muss, aber im Falle des eigenen Ablebens wird man zur Kasse gebeten. Der Tod ist eben doch nicht umsonst.
Aber um einen solchen Service überhaupt in Anspruch nehmen zu können, muss man sich natürlich zuerst einmal Gedanken machen was nach dem eigenen Tod mit den eigenen Blogs, den Profilen in den verschiedenen Social Networks, den Tweets und E-Mails, den Rezensionen und Bewertungen passieren soll. Alles löschen? Anonymisieren? Unverändert lassen?
Je länger ich darüber nachdenke wird mir klar, das hierfür Lösungen seitens der Anbieter geschaffen werden müssen. Ich wünsche mir, das jeder Service bei dem ich persönliche Daten speichern kann, mir zukünftig auch verschiedene Möglichkeiten anbietet was mit meinen Daten nach meinem Ableben passieren soll. Ausgelöst wird das "große Löschen" durch eine (von wem auch immer) signierte E-Mail an alle Diensteanbieter oder meinetwegen eine dezentrale Verwaltungsstelle. So schön (einfach) könnte Sterben 2.0 sein.
Ich jedenfalls möchte nicht irgendeinem Unternehmen meine Zugangsdaten für all die Dienste die ich im Internet in Anspruch nehme aushändigen. Wer garantiert mir das eben jenes Unternehmen zum Zeitpunkt meines Ablebens selbst noch existiert und meine Wunschliste abarbeiten kann? Und überhaupt: Welchen Sinn macht es solchen Anbietern gedruckte Listen mit Zugangskennungen zu schicken? Darf ich dann meine Kennwörter nie wieder ändern?