Ständig viel zu viele Worte
Ich starte mit einem Einschub, weil mir Felix mit dem, was ich seit 2 Tagen mit mir als etwas, das ich unbedingt aufschreiben muss, zuvor gekommen ist. Es geht darum wie sehr das Schreiben hilft, Dinge in einer Art innerem Monolog mit sich selbst zu besprechen, zu schleifen und dabei zu verdauen, und wie sehr das Aufschreiben, von selbst unfertigen Monologen bei der eigenen Verarbeitung hilft. Das ist nämlich genau das, was ich auch sagen wollte. Und eigentlich könnte ich jetzt aufhören, weil ja alles gesagt ist. Aber nachdem ich den bestehenden Entwurf schon hier herumliegen habe, kommt der eben jetzt auch noch hinterher. Ansonsten gilt natürlich was Felix sagt.
Euphorisiert vom Umzug meines Blogs, habe ich meinen Urlaub damit verbracht, wirklich viel zu schreiben. Okay, ich habe auch viel am Blog und an allen möglichen Tools geschraubt, aber die meiste Zeit habe ich tatsächlich mit dem Schreiben von Blogartikeln verbracht. Einige von ihnen haben bereits das Licht der Welt erblickt, andere fristen ihr Dasein als Entwurf, und schauen dabei etwas traurig auf die neuen, ganz und gar dringenden Gedanken, die oft die höhere Priorität bekommen.
Was ich in den letzten Wochen festgestellt habe ist, das mir Schreiben hilft Themen in meinem Kopf Raum zu geben sie zu Ende (zumindest meiner Denkleistung) zu denken. Ich schreibe, ich verwerfe, ich setze neu an ... ich recherchiere das Thema, komme vom Stöckchen aufs Hölzchen, ich schreibe und schreibe und lese das am Ende, und gar nicht so selten lösche ich es dann. Oder, in etwas weniger mutigen Momenten, speichere ich das Geschriebene als Entwurf und denke mir, dass ich das irgendwann später mal wirklich zu Ende denke und dann auch der Welt mitteile.
wenn du über etwas nachdenken willst und dir auch durch intensives nachdenken oder darüber meditieren nichts sinnvolles einfällt, dann rate ich dir einfach drüber zu schreiben. das muss auch an niemand bestimmtes gerichtet sein oder besonders scharfsinnig sein, schreib einfach drüber, was dir durch den kopf geht.
Felix Schwenzel
Beim Schreiben in den letzten Tagen ist mir aufgefallen, das ich keinen verstopften Kopf hatte. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen. Ich war und bin entspannt und kreative Energie hat meinen Körper geflutet.
Als ich so darüber nachgedacht habe, was, abgesehen von der nicht stattgefundenen Erwerbsarbeit, anders ist und warum dieser kreative Flow davor quasi nicht, oder nur sehr selten, vorhanden war, hat es Klick gemacht: Mein Kopf hat zu viel Input und quasi keine Zeit zum Verarbeiten. Meine Frau ermahnt mich schon lange, doch mal Pause zu machen und nicht ständig irgendwas zu schauen, zu lesen oder zu hören. Das fällt mir ehrlicherweise sehr schwer, weil ich das Gefühl habe, das es so viel gibt, das ich wissen und lernen muss.
Das tagtägliche "Abarbeiten" meiner Feeds, Podcasts und Youtube-Subscriptions hat mich mit jeder Menge tollem Input versorgt, aber gleichzeitig die Zeit für die Verarbeitung genommen.
Der aus meiner Sicht gefährlichste Input waren für mich dabei Podcasts. Podcasts kommen mit einem sehr attraktiven Versprechen um die Ecke: Du kannst sie immer und überall hören und du brauchst ihnen noch nicht einmal die uneingeschränkte Aufmerksamkeit zu schenken. Egal ob beim Putzen, Kochen, Spazierengehen oder Autofahren, Podcasts sind dein Begleiter und liefern dir ganz viel Input und Ablenkung frei Haus. Toll!
Nur leider sind das genau die Momente, an denen man nicht mehr so aufmerksam die Welt beobachtet, wenn man beim Spazierengehen anderen dabei zuhört wie sie Anlagestrategien auseinandernehmen. Oder beim Kochen vielleicht nicht so ganz bei der Sache ist, weil man sicherlich wichtigen politischen Themen folgt. Oder beim Autofahren, wo Musik vielleicht die Seele entspannt und dem Kopf Raum zum Denken und Verarbeiten gegeben hätte, der Business-Podcast einem stattdessen erklärt, was erfolgreiche Unternehmen von nicht so erfolgreichen unterscheidet.
Podcasts sind so ein Effizienzding, das sich in mein Leben gesneakt und dann ziemlich breitgemacht hat. Sie haben meine unproduktive Zeit, die ich sonst mit mir und meinen Gedanken verbringen musste, endlich effizient gemacht. Anstatt die Momente zu genießen, meinem Gedankenkarussell beim Kreiseln zuzuschauen, habe ich noch mehr Input draufgeworfen, und damit am Ende meinen Denkapparat zum Schweigen gebracht.
Was also tun? Ich habe mich für einen radikalen Schnitt entschieden. Von über 20 Podcasts, habe ich genau drei behalten. Und weil ich schon dabei war, habe ich mich auch in meinem Feedreader und bei YouTube aufgeräumt, also wirklich erschreckend viel aufgeräumt.
Effizienz im Denken bedeutet eben nicht, so viel wie möglich in den Kopf hineinzustopfen. Es bedeutet, genug Raum zu lassen, damit das, was drin ist, sich auch entfalten kann.