30 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit, da braucht man nicht drumherum reden. Aus der Perspektive eines 20-Jährigen, ist schwer vorstellbar, wie das Leben mit 50 sein wird. Umgedreht, also in der Rückschau, ist es etwas leichter, weil man diese 30 Jahre ja selbst erlebt hat, auch wenn man sich nur noch an Bruchstücke erinnert.
Letztes Wochenende gab es eine Chance, in der alten Heimat, mal wieder ein paar Bruchstücke mit der Hilfe von einigen anderen Menschen, zu einem etwas größeren Bruchstück zusammenzusetzen. Anlass dafür war das Ende der Realschulzeit, vor eben jenen 30 Jahren.
Zu diesem besonderen Anlass hatten wir sogar die Möglichkeit, unsere Schule nochmal zu besichtigen. Um aus dem Schulbesuch ein ganzheitliches Erlebnis zu machen, habe ich beschlossen nochmal meinen alten Schulweg abzugehen. Irgendwie hat diese Ecke von Gotha keine so gute Entwicklung genommen. Alles war noch etwas mehr heruntergekommen, wie ich es in Erinnerung hatte. Etwas erstaunt war ich, dass das Lotto-Stübchen, in dem ich mit 16 meine ersten Silvester-Einkäufe erledigt habe, quasi nur eine Garage war.





Die Schule selbst, hat sich in den 30 Jahren gar nicht so stark verändert. Nach den ersten nostalgischen Gefühlen, war ich ehrlicherweise erschrocken, und unter welchen Umständen Lernen im Jahr 2026 stattfinden muss.







Der Abend ist dann in der nahegelegenen Kneipe ausgeklungen, in der wir uns auch früher schon die Beine in den Bauch gestanden haben. Nur das es diesmal Tische mit Tischdecken und Sitzplätze gab. Das hat sich irgendwie falsch angefühlt, war aber scheinbar dem Anlass angemessen. Ein paar ehemalige Lehrer sind dann auch dort eingetrudelt und haben zur Vervollständigung der Eingangs erwähnten Bruchstücke beigetragen.
Dank meiner Kunstlehrerin konnte ich jetzt auch wieder zusammen puzzeln, warum ich in meiner Kunstprüfung mit einer lebenden Maus konfrontiert wurde: Ihrer Erzählung nach, bin ich wohl nicht pünktlich zur mündlichen Prüfung erschienen und sie haben mich Zuhause angerufen und mir gesagt, das ich schleunigst auftauchen soll. Am gleichen Tag hat wohl ein Schüler eine weiße Maus mit in die Schule gebracht, die dann eingefangen wurde und mir, quasi als kleiner Streich in meiner Prüfung mit der Aufgabe “gestalte diese Maus künstlerisch” präsentiert wurde. Ich muss wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut haben, aber wir haben uns dann alle damals und auch heute wieder köstlich über diese Geschichte amüsiert.
Danach hat mir meine Kunstlehrerin ein Bild überreicht, das ich in der 9. Klasse gemalt habe und das sie wohl seitdem aufgehoben hat und nun wieder in meinen Besitz übergeben wollte. Das war der Moment wo ich ein paar Tränchen in den Augen hatte.
