30 Jahre sind eine ziemlich lange Zeit, da braucht man nicht drumherum reden. Aus der Perspektive eines 20-Jährigen, ist schwer vorstellbar, wie das Leben mit 50 sein wird. Umgedreht, also in der Rückschau, ist es etwas leichter, weil man diese 30 Jahre ja selbst erlebt hat, auch wenn man sich nur noch an Bruchstücke erinnert.

Letztes Wochenende gab es eine Chance, in der alten Heimat, mal wieder ein paar Bruchstücke mit der Hilfe von einigen anderen Menschen, zu einem etwas größeren Bruchstück zusammenzusetzen. Anlass dafür war das Ende der Realschulzeit, vor eben jenen 30 Jahren.

Zu diesem besonderen Anlass hatten wir sogar die Möglichkeit, unsere Schule nochmal zu besichtigen. Um aus dem Schulbesuch ein ganzheitliches Erlebnis zu machen, habe ich beschlossen nochmal meinen alten Schulweg abzugehen. Irgendwie hat diese Ecke von Gotha keine so gute Entwicklung genommen. Alles war noch etwas mehr heruntergekommen, wie ich es in Erinnerung hatte. Etwas erstaunt war ich, dass das Lotto-Stübchen, in dem ich mit 16 meine ersten Silvester-Einkäufe erledigt habe, quasi nur eine Garage war.

Schmale Straße in Gotha mit alten Wohnhäusern, Gehweg, Grünfläche und einem weißen Transporter unter blauem Himmel

Vernageltes Hoftor neben einer grauen Hausfassade mit beschädigten Fenstern, Graffiti und überwuchertem Randstreifen unter blauem Himmel

Ehemaliges Lotto-Stübchen an einer grauen Hausecke mit Metalltor, blauem Gitterfenster und Bild-der-Frau- sowie Lotto-Toto-Schildern.

Fahrrad vor einem Hauseingang mit bröckelnder Fassade und Schaufenster; im Hintergrund Straße und Müllfahrzeug.

Backsteinfassade eines alten Gebäudes mit zugemauerten Fenstern, Hauseingängen, Satellitenschüsseln und gepflastertem Hof bei Sonnenschein

Die Schule selbst, hat sich in den 30 Jahren gar nicht so stark verändert. Nach den ersten nostalgischen Gefühlen, war ich ehrlicherweise erschrocken, und unter welchen Umständen Lernen im Jahr 2026 stattfinden muss.

Innenhof einer Schule mit beigefarbenen Gebäudefassaden, vielen Fenstern, Eingangstreppe und leerer Asphaltfläche.

Alter Rippenheizkörper vor einer Wand aus Glasbausteinen und schmalen Oberlichtfenstern in einem Schulgebäude

Geöffnetes Klassenzimmerfenster mit Blick auf Schulgebäude, Fensterbank mit Pflanzen und Heizkörper davor

Wand in einem Klassenraum mit Street-Art-Bildern und Sprüchen, darunter Regale mit beschrifteten Materialboxen und ein Tisch mit aufgeschlagenen Mappen

Alter Overheadprojektor auf einem Schultisch, daneben Hefte und Stifte in einem Klassenraum.

Klassenzimmer mit Reihen aus grünen Tischen und braunen Stühlen, grüner Tafel, Flipchart und großen Fenstern mit Blick ins Grüne

Treppenhaus mit Glasbausteinwand, braun gestrichenen Wänden, schwarzem Geländer und Steinfußboden

Der Abend ist dann in der nahegelegenen Kneipe ausgeklungen, in der wir uns auch früher schon die Beine in den Bauch gestanden haben. Nur das es diesmal Tische mit Tischdecken und Sitzplätze gab. Das hat sich irgendwie falsch angefühlt, war aber scheinbar dem Anlass angemessen. Ein paar ehemalige Lehrer sind dann auch dort eingetrudelt und haben zur Vervollständigung der Eingangs erwähnten Bruchstücke beigetragen.

Dank meiner Kunstlehrerin konnte ich jetzt auch wieder zusammen puzzeln, warum ich in meiner Kunstprüfung mit einer lebenden Maus konfrontiert wurde: Ihrer Erzählung nach, bin ich wohl nicht pünktlich zur mündlichen Prüfung erschienen und sie haben mich Zuhause angerufen und mir gesagt, das ich schleunigst auftauchen soll. Am gleichen Tag hat wohl ein Schüler eine weiße Maus mit in die Schule gebracht, die dann eingefangen wurde und mir, quasi als kleiner Streich in meiner Prüfung mit der Aufgabe “gestalte diese Maus künstlerisch” präsentiert wurde. Ich muss wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut haben, aber wir haben uns dann alle damals und auch heute wieder köstlich über diese Geschichte amüsiert.

Danach hat mir meine Kunstlehrerin ein Bild überreicht, das ich in der 9. Klasse gemalt habe und das sie wohl seitdem aufgehoben hat und nun wieder in meinen Besitz übergeben wollte. Das war der Moment wo ich ein paar Tränchen in den Augen hatte.

Zuckertüte mit Glückwunschkarte, Tastatur und Schülerzeichnung auf einem Tisch; darunter ein Blatt zum 30. Klassentreffen am 26. September 2026