Es liegt in der Natur des Menschen, sich aufzuregen. Die allermeisten machen das von Zeit zu Zeit. Das befreit das Gemüt und kann erstaunlich viel Energie freisetzen. Denn wer sich aufregt, dem ist etwas zumindest nicht egal. Er will, dass etwas anders ist, hat nur vielleicht noch keinen Weg gefunden, diese Energie sinnvoll zu nutzen.

Eine deutlich weniger produktive Art, mit dem eigenen Unbehagen umzugehen, ist die Abwertung anderer. Problematisch wird es für mich dort, wo aus einer anderen Sichtweise gleich der Schluss gezogen wird, das Gegenüber habe es einfach nicht verstanden. Man erhebt sich über ihre Handlungen, Sichtweisen und Aussagen und vermittelt ihnen aus der eigenen Überheblichkeit heraus, häufig passiv-aggressiv, das Gefühl, sie seien dumm.

Am deutlichsten wird das immer dann, wenn Menschen Dinge anders sehen oder anders machen als man selbst. Statt mit etwas Gelassenheit auszuhalten, dass andere Menschen die Welt nun einmal anders betrachten, muss jede abweichende Meinung widerlegt und jede Entscheidung kommentiert werden. Schließlich gilt es, die vermeintlich Dummen zu erhellen und auf den Weg der Tugend zu führen.

Komm, stell dich nicht so an! Du bist doch nicht dumm! Du musst doch einsehen, dass du falsch liegst?

Und ja, natürlich braucht es Debatten. Widerspruch ist wichtig. Aber Widerspruch und Belehrung sind eben nicht dasselbe. Eine Debatte lässt zumindest die Möglichkeit offen, dass auch die andere Seite einen Punkt haben könnte. Wer dagegen schon vorher weiß, dass das Gegenüber das Thema einfach nicht verstanden hat, führt eigentlich keine Debatte mehr.

Manchmal habe ich das Gefühl, etwas mehr Gelassenheit, würde uns allen gut tun.

Und nein, das bedeutet nicht, dass mir Dinge egal sein müssen, nur weil ich sie nicht unmittelbar beeinflussen kann. Und es bedeutet schon gar nicht, dass jede Meinung irgendwie gleich richtig ist. Aber ich muss auch nicht jede Meinung korrigieren, jede Entscheidung kommentieren und schon gar nicht jeden Menschen überzeugen.