Ein Jahrzehnt in meiner Hosentasche

Das hier ist mein Geldbeutel der mich seit fast 10 Jahren begleitet. Wenn man mich damals gefragt hätte, welchen Geldbeutel ich in 10 Jahren in meiner Hosentasche mit mir herumtragen werde, hätte ich vermutlich mit den Schultern gezuckt.

Damals war ich viele Jahre lang auf der Suche nach dem perfekten Behältnis für eine Handvoll Geldscheine und Plastikkarten. Ich hatte gewissermaßen den Spleen, einen noch kleineren, noch leichteren Geldbeutel zu finden. Ich weiß gar nicht, ob das heute noch so ein Ding ist, aber damals gab es ganze Webseiten und YouTube-Kanäle die sich nur mit den neuesten Slim-Wallets beschäftigt haben.

Das hatte vor 10 Jahren schlagartig ein Ende, als das Bellroy Card-Pocket in meiner Hosentasche gelandet ist.

Eine Hand hält ein dunkelblauen Bellroy Card-Pocket während ein grauer Bellroy Card-Pocket dahinter auf einer dunklen Box ruht. Der Holztisch bildet den Hintergrund der Szene.

Eine Hand hält ein offenes Portemonnaie, das eine Visa-Karte und mehrere Geldscheine sowie weitere Karten sichtbar zeigt. Im Hintergrund ist eine dunkle Box aus Karton zu sehen, auf einem Holztisch platziert.

Was mich an dieser kleinen Ledertasche, die in Höhe und Breite kaum mehr Platz einnimmt als eine Kreditkarte, immer fasziniert hat, ist wie viel Zeug da rein passt. Ich erinnere mich an Urlaube wo ich die gesamte Miete für die Ferienwohnung, ein dickes Bündel an Geldscheinen zusätzlich zu meinen 8 Plastikkärtchen verstaut hatte. Das Leder war gewölbt, aber alles hat gut und vor allem sicher in meiner vorderen Hosentasche Platz gefunden. In 10 Jahren, nicht ein einziger Aussetzer, noch nicht einmal ein hängender Reißverschluss.

Jetzt, nach 10 Jahren, zeigt sich ein erster Riss an eben jenem Reißverschluss. Alles andere als schlimm und eigentlich habe ich, so stabil wie das Card-Pocket verbaut ist, keinerlei Bedenken das trotzdem noch weitere 10 Jahre durchhält.

Eine Hand hält eine abgenutzte Geldbörse mit einem sichtbaren Reißverschluss. Im Hintergrund liegt eine neue, graue Geldbörse auf einem schwarzen Karton.

Ich wollte dann vorsorglich mal einen Preiswecker stellen, um mir im Laufe der nächsten Monate ein neues Card-Pocket für einen schmaleren Taler zu schnappen. Dabei habe ich festgestellt, das die Preise auf bis zu 130 Euro hochgeschossen sind. Nach einem Besuch der Bellroy-Seite war mir dann auch klar warum: Das Card-Pocket wird wohl nicht mehr hergestellt. Zum Glück gibt es noch mehr als genug seriöse Händler im Netz, wo man aus den scheinbar noch vorhandenen Restbeständen ein neues Exemplar zum damaligen Preis ergattern kann.

Und so kommt es, das ich seit heute im Besitz eines wunderschönen und nagelneuen Bellroy Card-Pockets in der Farbe Willow bin. Haben war schon immer besser als Brauchen und jetzt bin ich zumindest für die nächsten 10 Jahre versorgt.

Eine Hand hält eine olivgrüne Geldbörse, ein Bellroy Card-Pocket, mit einem Reißverschluss und einem kleinen Eulen-Logo auf der Vorderseite. Im Hintergrund ist eine schwarze Box sichtbar.

Eine Hand hält eine geöffnete Geldbörse, ein Bellroy Card-Pocket, mit einem braunen Reißverschluss. Im Hintergrund ist eine schwarze Box sichtbar.

Schon toll wie ich in diesem Beitrag um das Wort Portemonnaie herumgekommen bin, von dem ich zwar weiß wie man es spricht, aber nicht wie man es schreibt. Zum Glück weiß es das Internet, und nachdem ich das Wort jetzt gegoogelt habe, weiß ich auch das vermutlich die beste Beschreibung für das Bellroy Card-Wallet wäre.

Das Wort Portemonnaie stammt aus dem Französischen (“porter” = tragen, “monnaie” = Geld) und wird in Deutschland häufig synonym mit “Geldbörse” verwendet. Es handelt sich dabei um den klassischen Alltagsgeldbeutel, in dem sowohl Scheine, Münzen als auch Karten Platz finden.

Es ist vielseitig und alltagstauglich, mit Münzfach (meist mit Druckknopf oder Reißverschluss) und häufig kompakter als eine Brieftasche.

Arten von Geldbörsen

Gnocchi mit Kräuterseitlingen, Gorgonzola & Salbei

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Ich versuche gerade meinen Fleischkonsum noch weiter zu reduzieren. Nicht das ich besonders viel Fleisch oder gar Wurst essen würde (letzteres fast gar nicht), aber es fühlt sich trotzdem noch zu viel an. Damit das klappt, braucht es mehr schnelle und leckere Rezepte.

Eines ist mir gestern beim Einkaufen spontan in den Kopf gekommen. Heute gekocht, serviert und alle waren extrem begeistert. Damit ich es nicht vergesse, hier also das Rezept.

Zutaten (für 4 Personen)

  • 600 g Gnocchi
  • 4 Kräuterseitlinge
  • 2 Knoblauchzehen
  • Gorgonzola (aber nur den guten)
  • 200 ml Sahne
  • Zwei Handvoll frischer Salbeiblätter
  • Olivenöl
  • Butter
  • Frisch geriebener Parmesan
  • Pfeffer und Salz

Zubereitung

  1. Kräuterseitlinge in dünne Scheiben schneiden und in Butter mit einer Prise grobem Salz goldbraun und knusprig braten. Aus der Pfanne nehmen und beiseitestellen.
  2. In derselben Pfanne die Salbeiblätter kurz frittieren, bis sie knusprig sind. Ebenfalls herausnehmen.
  3. Die Gnocchi im verbliebenen Fett mit etwas Olivenöl rundum anbraten, bis sie eine schöne Bräune haben. Danach aus der Pfanne nehmen und den zerdrückten Knoblauch in wenig Olivenöl sanft anschwitzen.
  4. Gorgonzola zugeben und schmelzen lassen. Mit Sahne aufgießen und zu einer cremigen Sauce verrühren. Mit Pfeffer und Salz abschmecken.
  5. Gnocchi und Kräuterseitlinge zurück in die Pfanne geben und vorsichtig unter die Sauce heben.
  6. Mit den knusprigen Salbeiblättern toppen und mit Parmesan vollenden.

Guten Appetit!

Rennrad-Experte

Auf dem Bildschirm eines Smartphones ist eine Audio-Wiedergabe angezeigt, die Titel und Fortschrittsbalken des Podcasts "Lage der Nation" zeigt. Im Hintergrund ist eine Gruppe von Menschen zu sehen, darunter ein Mann mit Brille, der in einem Anzug steht. Unterhalb der Wiedergabe ist eine Benachrichtigung von Komoot, die eine Glückwunschmeldung enthält.

Aber ich bin doch noch nie in meinem Leben Rennrad gefahren?! 💩

Warfare (5/5)

Eine Gruppe von Soldaten in militärischer Ausrüstung stürmt durch eine urbanen Umgebung, während sie ihre Waffen im Anschlag halten. Der Titel "WARFARE" in großen, auffälligen orangefarbenen Buchstaben steht oben, gefolgt von Informationen über den Autor und das Veröffentlichungsdatum.

Es gibt Filme, da ist jedes Wort eins zu viel. Warfare (5/5) ist definitiv so ein Film.

Wer lesen kann ist klar im Vorteil

Gestern Abend haben wir uns ein Musical angeschaut, und das war leider eine ziemlich enttäuschende und zumindest rückblickend eine ganz und gar vermeidbare Erfahrung.

Ich sollte an dieser Stelle vielleicht einleitend erwähnen, dass ich kein besonders geübter Musicalgänger bin. Nach dem König der Löwen 2019 in Hamburg und Fack ju Goehte 2024 war das gestern Abend mein erst drittes Musical. Es hätte auch leicht mein viertes sein können, wenn ich während meiner Abschlussfahrt 1997 nach London nicht viel zu cool für Starlight Express gewesen wäre. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mehrere Tickets für das Musical "Das Phantom der Oper" sind in einer Hand zu sehen, mit einem klaren Fokus auf das Event-Datum und die Veranstaltungsdetails. Im Hintergrund sind graue Pflastersteine sichtbar.

Gestern Abend war also Phantom der Oper angesagt, in der kleinen Olympiahalle in München. Allein schon beim Lesen dieses Satzes, sollte man stutzig werden, ich verstehe da jeden schlauen Einwand. Als wir die Tickets im Januar gekauft haben, gab es leider kein Warnsignal in meinem Kopf, als der 14-Jährige mit seinem iPhone in der Hand vor uns stand, und erklärte das nächsten Monat das Phantom der Oper in München zu sehen sei und er schon in der Warteschleife für Tickets ist. Ich war sprachlos und stolz zugleich, was dann auch direkt dazu geführt hat, das ich ohne weiter nachzudenken, fast 400 Euro für 4 Tickets ausgegeben habe. Das Phantom der Oper wollten wir schließlich schon immer mal sehen, und nachdem es in den Stage Theatern in Deutschland aktuell nicht aufgeführt wird, war das einfach eine zu gute Gelegenheit es bequem mitzunehmen.

Schon beim Betreten der kleinen Olympiahalle hatte ich ein mulmiges Gefühl. Ich hatte da ziemlich offensichtlich nicht eine einzige Sekunde vorher drüber nachgedacht, aber als ich im Eingangsbereich der Halle stand, hab ich mich gefragt, ob ich wirklich ernsthaft etwas anderes erwartet habe. Ich hatte noch einen Funken Hoffnung, das sich hinter den noch verschlossenen Türen doch noch irgendeine Form von Theater verbergen würde. Als sich dann die Türen geöffnet haben wusste ich, dass wir heute alle mächtig enttäuscht nach Hause gehen werden.

Eine große Menge von Zuschauern sitzt in einem Veranstaltungsraum, der auf eine Bühne ausgerichtet ist. Auf einer Leinwand im Hintergrund steht der Titel "Das Phantom der Oper" in großen Buchstaben und es sind dekorative Elemente sichtbar.

Beim Durchschreiten der Gänge hatte ich sofort Kongresssaal-Vibes. Meine Versuche die Stimmung mit etwas trockenem Humor aufzuheitern, kamen beim Rest der Familie aber nicht so toll an. Kein Wunder, war doch beim Blick auf die Bühne bis zum Beginn der Veranstaltung nicht klar, ob wir heute nicht doch nur einen Film sehen werden. Nachdem das auf die Leinwand projizierte Intro durch war, sind die Vorhänge gefallen und hinter uns rief jemand laut “Gott sei Dank!”. Ich glaube da haben ein paar mehr Leute wirklich Schlimmes befürchtet.

Eine Bühnenaufführung mit mehreren Darstellern in historischen Kostümen, die auf einer eleganten Kulisse stehen. Im Hintergrund sind prachtvolle Kronleuchter und eine opulente Architektur zu sehen, während das Licht die Szenerie in verschiedenen Farben beleuchtet.

Es gab also dann doch noch echte Sänger, die auch live gesungen haben. Das hat man vor allem daran gemerkt, das die Mikrophone viel zu nah am Mund montiert und gänzlich unzureichend ausgepegelt waren. Ein ständiges Zssssch, zssssch … war dadurch unvermeidbar dauerhaft zu hören. Auch die restliche Akustik in eben jener Mehrzweckhalle war so grottenschlecht, dass ich eher das Gefühl hatte einer Aufführung in der Schulaula beizuwohnen.

Ich habe dann versucht, mich auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Hilft ja nichts, das soll ja irgendwie Freude bereiten. Ich fand es erstaunlich, was die aus der vielleicht 5 Meter tiefen Bühne herausgeholt haben. Die Videoprojektionen durch manchmal halbtransparente Vorhänge hindurch war ziemlich beeindruckend. Auch haben die projizierten Übergänge viele Unzulänglichkeiten der viel zu kleinen Bühne extrem gut ausgebügelt. Auch die Performance der Sänger war gut. Nicht auf dem typischen Niveau, das man von den Hochglanzproduktionen kennt, aber abgesehen von dem einen oder anderen schiefen Ton, war das top und die ganze Show wurde mit viel Witz vorgetragen. Das hatte stellenweise etwas von einer Komödie.

Am Ende haben wir uns dann aber dennoch ziemlich enttäuscht auf den Weg nach Hause gemacht. Und wenn ich die Gespräche der anderen Besucher richtig gedeutet habe, waren wir nicht die Einzigen, die sehr spontan und in Erwartung einer ganz bestimmten Veranstaltung einem Kaufimpuls nachgegeben haben.

Die Bewertungen des Musicals sprechen jedenfalls eine klare Sprache, das man aus dem Umstand, dass das Original aktuell nicht mehr aufgeführt wird, versucht eine schnelle Mark zu machen.

Was ich wirklich kritisiere, ist nicht, dass man die geschützten Musikstücke von Andrew Lloyd Webber aus offensichtlichen Gründen nicht aufführen kann, auch wenn man damit viele Fans herb enttäuscht. Aber das man dann noch nicht einmal den Anspruch an sein eigenes kreatives Werk hat, es wenigstens in einem tollen Ambiente und mit dem bestmöglichen Sound vorzutragen ist wirklich armselig.

Vielleicht ist es aber auch einfach nur nicht fair, an Kunst andere Maßstäbe anzulegen, während sich die ganze Welt links und rechts skrupellos an allem bereichert. Dann wäre an dieser Stelle ein Glückwunsch an Deborah Sasson und Jochen Sautter für das völlig schamlose Reiten dieser Welle angebracht. Denn ein Geheimnis ist es eigentlich nicht, was einen hier erwartet.

Status

Mehrere Tickets für das Musical "Das Phantom der Oper" sind in einer Hand zu sehen, mit einem klaren Fokus auf das Event-Datum und die Veranstaltungsdetails. Im Hintergrund sind graue Pflastersteine sichtbar.

Kurz vor dem dritten Musical in meinem Leben.

Ich habe einen neuen Beifahrer

Der Screenshot zeigt ein Software-Update für eine App namens "Grok", einschließlich Navigationsbefehlen im Beta-Test. Es sind Optionen für Sprachsteuerung und deren Einstellungen sichtbar.

Heute früh habe ich einigermaßen überrascht den Update-Hinweis meines Tesla gelesen: Grok steht mir jetzt als intelligenter Beifahrer zur Verfügung, in interessanten Persönlichkeitsprofilen von “Geschichtenerzähler” bis zu “Außer Kontrolle”. Diggy, what?

Da man die Updates sowieso nicht ewig verschieben kann, habe ich es beherzt installiert. Der erste Eindruck nach 2 Stunden pendeln war überraschend positiv. Gut, im Vergleich zum bisherigen Sprachassistenten konnte es auch nur bergauf gehen.

Train Dreams (3/5)

Das Filmplakat zeigt eine dramatische Landschaft mit hohen Bäumen, die sich gegen den Himmel abheben. Im Vordergrund steht ein Mann mit einem Hut und einer Axt, während der Titel "TRAIN DREAMS" und Informationen zu den Hauptdarstellern sowie dem Veröffentlichungsdatum auf Netflix angezeigt werden.

Huch, was war das denn? Olli Schulz hat Train Dreams in der letzten Episode von Fest & Flauschig empfohlen und nachdem der Streifen auch an anderen Stellen gelobt wurde, habe ich ihn mir heute spontan angesehen.

Schon die ersten 20 Minuten haben mich extrem an Robert Seethalers Ein ganzes Leben erinnert, das ich 2016 sehr gemocht habe. Vor 2 oder 3 Jahren erinnere ich mich, auch die Verfilmung gesehen und für gut befunden zu haben.

Zurück zum erwähnten Huch: Wer Seethalers Roman gelesen oder die Verfilmung gesehen hat, kann nicht übersehen, dass es sich de facto um die gleiche Geschichte handelt. Ich bin ehrlich gesagt sprachlos aber schon eine kurze Recherche hat gezeigt, das ich nicht der Einzige bin, dem das aufgefallen ist und das andere sich an dem Thema schon 2016 abgearbeitet haben.

In diesem Fall scheint Seethaler der Kopist zu sein, da sein Buch schlicht 14 Jahre nach dem von Johnson veröffentlicht wurde. Auch hat Seethaler angeblich zugegeben, Train Dreams gelesen zu haben, aber beim Schreiben seines Werkes keine Sekunde daran gedacht zu haben. Ich glaube, das nennt man dann unbefleckte Empfängnis.

Nun gut, zurück zum Film: Ja der ist richtig gut gemacht, aber mir persönlich vom Flow zu langsam. Vielleicht lag das aber auch schlicht daran, das ich die Handlung quasi schon kannte und mental schon vorgespult (sagt man das heute eigentlich noch?) habe.

Wir haben uns getraut

Ich gebe zu, der Titel ist vielleicht etwas reißerisch, denn wir haben heute nicht geheiratet. Also nicht wirklich zumindest, aber vielleicht doch so ein bisschen. Denn heute waren unsere neuen Eheringe endlich abholbereit, und jetzt tragen wir unsere Dritten an den Händen. Ich weiß, das klingt ein bisschen verrückt und das ist es auch irgendwie.

Zwei Hände liegen auf einem Holztisch, wobei die linke Hand einer Person einen schmalen Ring trägt. Die rechte Hand gehört einer anderen Person und zeigt einen Ring sowie einen leichten Unterschied in der Hautfarbe.

Als wir 2008 geheiratet haben, hatten wir natürlich Eheringe. Ich bin ziemlich sicher, dass sie uns damals gefallen haben. Aber vor allem waren sie eins, nämlich günstig. Ich schätze das wir insgesamt 250 Euro für beide Ringe bezahlt haben. Wir hätten uns damals auch teurere Ringe leisten können, aber ich war schlicht zu geizig mehr Geld für etwas auszugeben, das ich nur an der Hand trage. Ringe erschienen mir immer die unwichtigste Sache überhaupt am Heiraten.

Einige Jahre später hat sich dann der Stein aus dem Ring meiner Frau verabschiedet. Meine Frau hat in den folgenden Jahren immer wieder Andeutungen gemacht, dass sie gern neue Ringe hätte. Ich habe ernsthaft in Erwägung gezogen, einen neuen Stein in den Billo-Ring meiner Frau einsetzen zu lassen, aber irgendwie hab ich mich mit dem Teil am Ende nicht über die Schwelle eines Juweliers getraut. Ein bisschen Stolz habe ich ja auch.

Jedenfalls haben wir die Ringe bis zu jenem Moment im Jahr 2016 getragen, als meine Frau mich vor dem Schaufenster eines Juweliers gefragt hat, ob wir nicht mal reingehen wollen, um nach neuen Ringen zu schauen. Ich verstehe bis heute nicht, wie sie genau diesen Moment als den passenden erkannt hat, ihrem störrischen Mann neue Eheringe unterzujubeln. Aber es hat geklappt und wir sind mit wirklich wunderschönen Silber-Eheringen aus dem Laden stolziert. Die Ringe waren nicht dramatisch teurer, als die ich damals zur Hochzeit gekauft hatte. Ich war beschämt und irgendwie glücklich zugleich, auch wenn ich das nie zugegeben hätte.

Fast forward Sommer 2019. Die Hochphase einer sehr anstrengenden Zeit in unserer Ehe, in der wir beide nicht wussten, ob wir zusammenbleiben werden oder nicht. Während eines Sonntagsspaziergangs im Garten von Schloss Nymphenburg ist dann mal wieder einer dieser damals üblichen Streits vom Zaun gebrochen. Ich erinnere mich, wie egal mir an diesem Punkt bereits alles war. Deshalb war es für mich auch nur konsequent, den Ring der meiner Frau so viel bedeutet hat vom Finger zu nehmen, und im hohen Bogen in die Büsche zu befördern. 3 Minuten später stand ich in meiner grenzenlosen Dummheit in eben jenen Büschen, auf der Suche nach dem Ring. Vergebens, natürlich.

Bis zum 14. Februar 2026 sind wir dann ohne Eheringe an den Händen unterwegs gewesen und für mich hat das auch immer gut funktioniert. Sämtliche Versuche meiner Frau, uns mit neuen Ringen auszustatten habe ich erfolgreich abgewehrt. Aber sie hat nie wirklich locker gelassen,

Irgendwann, vor allem weil ich von der Apple Watch weg wollte, habe ich dann vorgeschlagen, dass wir uns ja Oura-Ringe kaufen könnten. Das war natürlich blühender Unsinn und hat alle meine vorher sorgsam aufgebauten Argumente gegen Ringe sofort vaporisiert. Ich glaube, seit diesem Tag wusste meine Frau, das ich irgendwann umkippen werde.

Und dieser Tag war heute vor 4 Wochen. Ich habe mich wirklich mit der Absicht ins Auto gesetzt, neue Eheringe zu kaufen. Die Vehemenz mit der meine Frau die Frage nach neuen Ringen in allen möglichen und unmöglichen Situationen eingewoben hat, hat mich über die Jahre vermutlich einfach mürbe gemacht. Ich wollte die Frage nicht mehr hören und noch weniger meine konstruierten Argumente dagegen.

Als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, habe ich noch halb im Scherz “Aber maximal tausend Euro!” gesagt. Nach dem 4 Geschäft keimte leise Hoffnung, das wir keine Ringe mehr finden werden, aber im letzten Geschäft waren sie plötzlich da, unsere neuen Eheringe.

Meine Frau hatte sich von der Verkäuferin alle möglichen Ringe im vermeintlichen Budget geben lassen, aber ich bin immer wieder zur Vitrine nebenan gepilgert und habe meine Frau Ringe gezeigt, die wir auch unbedingt probieren sollten. Sie hat mich total entgeistert angeschaut und gefragt, ob ich das ernst meine, schließlich wären die Ringe mehrfach über dem Budget. Meine Antwort war, dass das unsere dritten und bitte auch letzten Ringe sind. Und wenn wir in 20 Jahren draufschauen, sollen sie uns noch immer gefallen.

Long story short: Wir haben unsere dritten Eheringe und sie sind wirklich schön. Meine Frau ist sehr glücklich und vielleicht habe ich zumindest ein bisschen was von meinem Verhalten der letzten Jahre bereut.