Nachdem ich vor einigen Monaten Nachrichten aus meinem Leben verbannt habe 1, stelle ich fest, dass ich immer regelmäßiger und vor allem aus echtem Interesse am Abend eine Nachrichtensendung anschaue.
Meist handelt es sich um die 20 Uhr Tagesschau, die ich direkt im Browser streame. Und auch wenn ich mir Mühe gebe, mich dabei zu fokussieren und dem Stream aufmerksam zu folgen, meine Gedanken schweifen meist schnell ab oder ich spüre einen inneren Drang hierhin und dorthin zu klicken. Als Konsequenz starte ich das Video im Vollbild, was das Gefühl nur verstärkt, dass hinter dem Videobild, in irgendeinem Fenster oder Tab, gerade etwas meine Aufmerksamkeit verlangen könnte.
Infolgedessen, gehe ich dazu über, Artikel auf Nachrichtenseiten zu lesen. Nach einem kurzen Versuch erkenne ich, dass die Masse an Artikeln und die nicht vorhandenen Aufbereitung eines sinnvollen Tagesüberblicks nicht kompatibel mit meinem knappen Zeitfenster und Informationsbedürfnis ist.
Ich abonniere tägliche Newsletter, aber die Auswahl an Themen holt mich nicht ab und um etwas zu Ende zu lesen, muss man in den meisten Fällen doch auf die Webseite wechseln. Abgesehen davon ist meine Inbox einfach kein Ort, an dem ich entspannt lesen kann, auch aber nicht nur, weil die roten Zahlen zur Eile mahnen, bevor der nächste Newsletter eintrudelt.
In allerletzter Konsequenz abonniere ich ein gedrucktes Wochenmagazin. Einmal die Woche, in Ruhe nachlesen was wichtig war, ganz ohne Druck und Stress. Genau mein Ding. War es schon vor bestimmt 20 Jahren, als ich die letzte gedruckte Zeitschrift abonniert hatte.
Heute kommt also das erste gedruckte Wochenmagazin. Ich hole mir ein kaltes Bier und setze mich auf die von der Abendsonne beleuchtete Terrasse, um in Ruhe zu lesen, was ich diese Woche alles verpasst habe. Nach wenigen Zeilen lege ich das Heftchen zum ersten Mal beiseite, nehme die Brille ab und reibe mir die Augen. Ich frage mich, ob die Schrift in diesen gedruckten Zeitschriften schon immer so klein war, ob sich da in den letzten zwanzig Jahren irgendwas geändert hat? Vielleicht spart man heute so Papier, in dem man die Informationen möglichst eng in den knappen Raum presst? Ich denke mir, dass meine ältlichen Augen dafür wohl nicht mehr gemacht sind, und frage mich zugleich wer dieses gedruckte Papier dann überhaupt noch liest.
Ich atme schwer, klappe das Notebook auf und versuche es mit dem digitalen Magazin, dessen Nutzung im Schnupperpaket ebenfalls enthalten ist und der Kreislauf startet von vorn.
Abgesehen von dem wöchentlichen Podcast "Lage der Nation"↩