Alles begann mit einem Geburtstagsgeschenk, das ich mir selbst dieses Jahr gönnen wollte. Ich habe mir eine Armbanduhr von einem britischen Hersteller bestellt. Nicht sündhaft teuer, gemessen an dem, was Armbanduhren gerne kosten können, aber mit etwas über 1.000 EUR auch nichts was ich mir leichtfertig einfach so kaufe.

Zwei Wochen später kam meine neue Uhr an und gefiel mir leider nicht. Also so absolut gar nicht. Ich habe daraufhin den Retourenprozess beim Hersteller gestartet, das erhaltene Versandlabel auf das Paket geklebt und es brav in einer Filiale auf die Reise geschickt.

Keine zwei Wochen später hab ich das Paket wieder in den Händen gehalten. In einer Klarsichtfolie auf der Rückseite steckte ein Formular, auf dem ein DHL-Mitarbeiter “ABD fehlt” gekritzelt hat. Eine kurze Recherche hat ergeben, dass damit ein Ausfuhrbegleitdokument gemeint war. Das habe ich dann, verbunden mit der Frage was wir jetzt machen, dem freundlichen Support des Uhrenherstellers mitgeteilt. Dann hörte ich erst einmal nichts mehr.

Auf eine erneute Nachfrage erhielt ich auch nur verschriftliches Schulterzucken, das man so etwas auch noch nie erlebt habe, auch keine Ahnung hat, was das Problem sei, aber hier sei ein neues Versandlabel, wird schon klappen.

Mit dem nigelnagelneuen Versandlabel und voller Zuversicht, habe ich das Paket erneut bei DHL in Richtung Großbritannien geschickt. Doch auch dieses Mal lag es zwei Wochen später wieder auf dem heimischen Esstisch.

Die Rückseite von einem Paket, das auf die britische Insel gesollt hätte, aber mehrere Male zu mir zurückgekommen ist.

Die nächste Meldung beim britischen Händler hat noch etwas länger auf eine Reaktion gewartet, aber diesmal erhielt ich eine Mail mit 5 Anhängen, die ich besser sehr genau gelesen hätte, um mir den etwas peinlichen Zwischenschritt zu ersparen. Enthalten war eine Proformarechnung, irgendein DHL-Versanddokument und 2 Versandlabel, das eine zum Aufkleben auf dem Paket und das andere um es dem Kurier bei der Abholung in die Hand zu drücken. Geendet hat die Mail mit dem Hinweis, dass ich das Paket auf keinen Fall verschließen und bitte den Link zur Vereinbarung eines Abholtermines klicken sollte.

Der erste Abholtermin war für den letzten Samstag vereinbart. Als auch über eine Stunde nach dem Ablauf des Zeitfensters niemand geklingelt hat, habe ich den Termin auf heute, also Montagmittag verschoben.

Heute dann, zwei Stunden vor dem eigentlich vereinbarten Zeitfenster klingelt es Sturm und ein DHL-Fahrer steht wild gestikulierend und auf sein elektronisches Handgerät deutend vor mir. Ich hatte das Paket vorsorglich neben der Tür geparkt und zeige es ihm, wie in der Mail ausdrücklich beschrieben, unverschlossen. Er deutet Daumen hoch. Ich frage, ob ich es verschließen soll und ob er ein Versandlabel habe (das ist der Teil der Mail, den ich nicht gut genug gelesen habe… ich bin nämlich, warum auch immer, davon ausgegangen, das der Fahrer vor Ort ein Label druckt).

Ich rede und rede, aber er bleibt stumm und zeigt nur immer auf sein Gerät oder hebt den Daumen. Ich wechsel auf Englisch, seine Reaktionen bleiben unverändert. Nach 2 Minuten denke ich mir, das er wohl stumm ist, da einfach kein Ton aus seinem Mund kommt. Ich rede langsam und deutlich, in der Hoffnung er könne meine Lippen lesen. Gefühlte Minuten verstreichen, bevor ich ihm gestikuliere, dass ich das besser aufschreibe, woraufhin er den Daumen hebt und lächelt. Ich fange an eine Notiz auf meinem Smartphone zu tippen, aber sein Zeigefinger deutet mir ein deutliches Nein an. Er signalisiert mir, das er kurz zum Auto geht. Während ich mich noch frage, mit welchem magischen Gerät er gleich auftaucht, hält er mir schon sein Smartphone mit einer geöffneten Übersetzungs-App unter die Nase.

Ich tippe meine Fragen ein, es erscheint ein russischer Text. Er tippt eine Antwort und auf Deutsch lese ich, das er auch keine Ahnung habe. Alles wirkt sehr skurril, wie wir da tippen und Schultern zucken. Mir wird immer klarer, dass mir der DHL-Mitarbeiter wohl nicht helfen kann und ich ihn nur von seinem Job abhalte. Also tippe ich “Alles ok! Ich melde mich bei DHL! Danke!” in das Gerät und er geht lächelnd und mit gehobenem Daumen zu seinem Auto und braust davon.

Ich öffne erneut die Mail des britischen Händlers und sehe jetzt, die beiden Versandlabel, von denen ich dachte die würden beim Abholen nach Inspizieren des Paketes gedruckt. Ich fasse mir ans Hirn und es klatscht deutlich. Ich drucke beide Etiketten aus und vereinbare online einen erneuten Abholtermin für den späten Nachmittag des gleichen Tages.

Wie sollte es bei dieser Geschichte anders sein, gab es heute keinen weiteren Abholversuch und ich frage mich, ob ich das Paket nicht auch einfach zur Post hätte bringen können, auch wenn in der Mail ausdrücklich eine Abholung angewiesen wurde. Jetzt ist es natürlich zu spät für derart schlaue Ideen und nachdem ich ab morgen für ein paar Tage beruflich unterwegs sein werde und mich selbst nicht mehr um das Paket kümmern kann, habe ich meine Frau gebeten das Paket morgen bei der örtlichen Postfiliale auf die Reise zu bringen.

Ich hoffe, dass das dann das Ende der Geschichte um dieses verhexte Paket ist und ich mein Geld zurückbekomme. Ich würde mir dann nämlich wirklich gerne eine andere Uhr von dem britischen Hersteller bestellen wollen.